Im Herzen

28. Juni 2002, 20:13
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"Amanda bleibt in meinem Herzen." Die Mutter des Kleinkindes, das vom Lebensgefährten zu Tode geprügelt wurde, ist in die Krone geraten und erhält dort Behandlung Variante A, inklusive Foto von glamouröser Trauer (Variante B wäre gewesen: "Leichtfertige Mutter schuld an Tod des eigenen Babys?").

Die Geschichte von der 20-Jährigen, die zu lange nicht wahrhaben will, von welchem Schlag ihr Partner ist und welche Gefahr er für das Kind darstellt, obwohl schon alle Warnzeichen blinkten, ist deprimierend vertraut. Nun wird sich wieder die Frage stellen, wie die Justiz damit umgeht, die schwere Kindesmisshandlung gern milder bestraft als Banküberfälle.

Im Fall der kleinen Amanda wurden auch die Sicherungsmechanismen der Gesellschaft zumindest aktiviert: Die Nachbarn zeigten ihre Wahrnehmungen an, das Jugendamt schaltete sich ein, es fand eine ärztliche Untersuchung der Misshandlungsspuren statt, die Mutter drohte dem Gewalttäter sogar mit dem Auszug ins Frauenhaus - und doch genügte das nicht, doch fehlte an einer oder mehreren Stellen des Ablaufs die richtige Weichenstellung oder die nötige Durchsetzungskraft - und ein kleines Leben war unrettbar verloren. (RAU/DER STANDARD, Printausgabe 29./30.06.2002)

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