Sitzenbleiber erheben vielfach Einspruch

28. Juni 2002, 19:57
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47.000 Jugendliche steigen heuer nicht in die nächste Klasse auf

Wien - 28.000 Burschen und 19.000 Mädchen haben dieses Jahr das Klassenziel nicht erreicht. Ein Fleck in Mathe? In Deutsch? Oder in Geografie? Zu Unrecht, wie vielleicht einige von ihnen meinen. Wer glaubt, vom Lehrer falsch beurteilt worden zu sein, kann dagegen Berufung einlegen.

Im Paragraf 71 des Schulunterrichtsgesetzes ist geregelt, wie das zu geschehen hat. Grundsätzlich können Erziehungsberechtigte nur Einspruch erheben, wenn ihr Kind mit dem "Nicht genügend" auch "die Berechtigung zum Aufstieg nicht erhält", heißt es aus dem Unterrichtsministerium (alle anderen Noten sind juristisch nicht anfechtbar). Tritt so ein Fall ein, muss binnen fünf Tagen bei der Schule Berufung gegen die Note eingereicht werden.

Das Direktorium wiederum habe unverzüglich die Akten an den Landesschulrat weiterzuleiten. Dort werden die Leistungsaufzeichnungen des Lehrers sowie die Schularbeitshefte kontrolliert, erläutert man im Ministerium. Wenn die Notengebung des Lehrers nicht nachzuvollziehen ist, wird dem Einspruch stattgegeben. Doch das sei eher die Ausnahme, sagt man im Unterrichtsministerium.

Durch das Frühwarnsystem wüssten die Eltern schon frühzeitig Bescheid, wie es um die Leistung ihres Kindes bestellt sei. Ein "Sitzenbleiben" treffe niemandem mehr "aus heiterem Himmel".

Wollen die Erziehungsberechtigten aber auch die Entscheidung des Landesschulrates nicht akzeptieren, können sie sich an die nächsthöhere Instanz wenden, das Unterrichtsministerium. Maximal 50 solcher Berufungen gebe es pro Schuljahr. Und auch hier werde in der Regel die Notengebung des Lehrers bestätigt, heißt es in der Rechtsabteilung des Ministeriums.

Während des gesamten Verfahrens gilt die beeinspruchte Note, oder wie es juristisch heißt, es gibt "keine aufschiebende Wirkung". Deshalb muss alles sehr schnell gehen. In den Sommerferien werden die Fälle entschieden, damit zum neuen Schuljahr feststeht, ob der Schüler vielleicht doch nicht wiederholen muss. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe 29./30.06.2002)

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    Zeugnisverteilung

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