Oliver Kahn, Oliver Kahn, Oliver Kahn

30. Juni 2002, 12:50
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Aber Deutschland hat auch Stürmer - ein Porträt und Situationsbericht vor dem Endspiel

Yokohama - Franz Beckenbauer hat wieder einmal etwas vorgeschlagen, und, sagen wir so, es ist kein untypischer Franz-Beckenbauer-Vorschlag. Franz Beckenbauer hat vorgeschlagen, den deutschen Torhüter Oliver Kahn als "besten Spieler der WM" auszuzeichnen. Das würde dieser Endrunde tatsächlich die Krone aufsetzen, würde einer ausgezeichnet, der Fußball vor allem mit den Händen spielt, andererseits wäre Deutschland ohne Kahn nicht dort, wo es ist. Sondern in Deutschland.

So aber ist das Team, das am Sonntag (13 Uhr, ORF 1) im International Stadium von Yokohoma gegen Brasilien um den WM-Titel spielt, am Freitag im Endspielort eingetroffen. Um 12.20 Uhr Ortszeit landete die Chartermaschine der Korean Air mit der Flugnummer KE9701 mit einer Ausnahmegenehmigung auf dem japanischen Inlandsflughafen Haneda, der nur 15 Kilometer von Yokohama entfernt ist. Da die Maschine aus Südkorea kam, hätte sie eigentlich auf dem 85 Kilometer entfernten Flughafen Narita ankommen müssen. Aber Deutschlands Fußballer sind schließlich nicht irgendwer.

Die helle Freude

Außer den Journalisten warteten rund 40 Japaner und Japanerinnen, die Deutschland-Fahnen und -Schals schwenkten. Auf Spruchbändern war "Wir lieben dich, Oliver Kahn" oder auch "Ihr werdet Weltmeister" zu lesen. Begeisterungsrufe und Applaus wurden laut, als die deutsche Delegation, angeführt von Teamchef Rudi Völler, Gerald Asamoah und Jens Jeremies, das Gate verließ und die Ankunftshalle betrat. Die Phonzahl stieg, als Oliver Kahn in der Tür erschien.

"So eine Chance kriegen wir so schnell nicht wieder. Deshalb müssen und werden wir alles tun, um zu gewinnen", erklärte Völler, ebenso angespannt wie aufgekratzt wirkend. "Meine Jungens können es kaum noch abwarten, das hat man auch im Training gespürt. Jeder ist heiß, jeder brennt." Laut Völler sind die Brasilianer zu favorisieren. "Sie haben seit Menschengedenken die besseren Einzelspieler. Das darf man aber nicht so tragisch sehen."

Deutschland wird einmal mehr besonderen Wert auf die Defensive legen. Und sich auf Oliver Kahn verlassen. Der tönte: "Die Brasilianer müssen erstmal beweisen, dass sie mich bezwingen können." Für den gesperrten Michael Ballack soll im Mittelfeld vor allem Dietmar Hamann mehr Verantwortung übernehmen. Nicht umsonst ergreift Hamann vor jedem Match als Letzter in der Kabine das Wort, wobei er immer ein und dieselbe Devise ausgibt: "Ordnung halten."

Miroslav Klose, der fünffache WM-Torschütze, ist nach einer im Semifinale gegen Südkorea erlittenen Hüftprellung wieder fit. Auch Carsten Jancker, der am Donnerstag wegen einer fiebrigen Grippe im DFB-Quartier in Seoul geblieben war, stieg am Freitag wieder ins Training ein. Jancker wird freilich neben Oliver Bierhoff auf der Bank Platz nehmen, Marco Bode dürfte den Vorzug bekommen. Bierhoff, der Deutschland 1996 mit zwei Goals gegen Tschechien den EM-Titel checkte, hat einen Traum. "Dass ich eingewechselt werde und dann in meinem 70. Länderspiel das entscheidende Tor mache." Freilich wird das so nicht gespielt werden. Franz Beckenbauer nämlich weiß: "Klose erzielt das Golden Goal."


Das letzte Wort

Natürlich wird Beckenbauer auch am Sonntag das letzte Wort haben. Unmittelbar nach der Siegerehrung lädt er zur WM 2006 in Deutschland ein. In einem 45-Sekunden-Spot, der weltweit ausgestrahlt wird und auch im Endspiel-Stadion von Yokohama über die riesigen Videotafeln läuft, bedankt sich der Präsident des deutschen Organisationskomitees (OK) auf Koreanisch und Japanisch bei den Gastgebern. (sid, fri, DER STANDARD PRINTAUSGABE 29./30.2. 2002)

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