"Nur Zentralmatura wäre fairer Vergleich"

28. Juni 2002, 17:12
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"Pisa"-Forscher: Unterschiedliche Standards

Wien - "Ganz enorme Qualitätsunterschiede" zwischen, aber auch innerhalb einzelner Schulen in Österreich hat der Salzburger Erziehungswissenschafter Günter Haider festgestellt. Er leitete die OECD-Vergleichsstudien (zuletzt Pisa) und meint: "Wir brauchen Standards!" Diese will das Bildungsministerium - wie am Freitag berichtet - im kommenden Schuljahr für die dritte und die achte Schulstufe veröffentlichen.

Haider geht aber noch einen Schritt weiter: Er schlägt im Standard-Gespräch eine "Zentralmatura" vor, wie sie in sieben deutschen Bundesländern (die in der Pisa-Studie übrigens gut abschnitten), in Frankreich und auch in den meisten US-Bundesstaaten üblich ist. "Da gibt es klare Leistungsanforderungen und die gleichen Kriterien für alle. Niemand könnte sich durchschwindeln. Wenn man erste und zweite Wiederholung dazurechnet, schafft im Prinzip bei uns jeder die Matura, der antritt. Aber die Leistungen sind enorm unterschiedlich", sagt der Forscher. Einen fairen Vergleich gäbe es eben nur, wenn alle Prüflinge am gleichen Tag mit denselben Prüfungsfragen antreten würden.

Haider ärgert, dass man in Österreich kein Geld für eine Detailauswertung der Bundesländer ausgeben wollte (was eine höhere Befragungszahl nötig gemacht hätte). Und er vermisst nicht nur klare bildungspolitische Ziele, sondern auch bildungspolitische Debatten vom Niveau der Deutschen. Hierzulande müssten dieselben Themen diskutiert werden: "Lehrerausbildung, Leistung, frühe Selektion, Chancengleichheit". Der Schulerfolg hänge in Österreich "viel zu sehr" vom sozioökonomischen Hintergrund eines Kindes ab. (Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.6.2002)

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