Intervention am Devisenhandel

28. Juni 2002, 18:02
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Yen wurde geschwächt - Auch Aufwärtsbewegung des Euro gestoppt

New York - Die Notenbanken Japans und der USA sowie die Europäische Zentralbank (EZB) haben am Freitag zur Schwächung des Yen am Devisenmarkt interveniert. Damit sollten Analysten zufolge den Gefahren eines zu starken Yen für die japanische Exportwirtschaft begegnet werden. Der Dollar legte zeitweise zum Yen kräftig zu, fiel dann aber wieder zurück.

Der stellvertretende japanische Finanzminister Haruhiko Kuroda teilte in Tokio mit, die Bank von Japan habe am Devisenmarkt interveniert, um den rapiden Kursanstieg des Yen aufzuhalten. Die EZB sowie die US-Notenbank (Fed) hätten sich im Auftrag der Bank von Japan an dem Markteingriff beteiligt. "Wir intervenieren am Markt", sagte Kuroda. Der Euro sank nach den jüngsten Kurszuwächsen zur US-Währung wieder unter 0,99 Dollar. An den Aktienmärkten gab es keine nennenswerten Reaktionen.

Fed lehnt Stellungnahme ab

Die japanische Notenbank hatte zuletzt mehrfach im Alleingang zu Gunsten des Dollar interveniert, da ein starker Yen die stark exportorientierte japanische Industrie belastet und damit die Erholung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft behindert. Der Dollar war in den vergangenen Tagen wegen der Sorgen der Anleger vor weiteren Bilanzunregelmäßigkeiten von US-Unternehmen um mehr als sechs Yen gefallen.

Auch die EZB bestätigte die Intervention. "Ich kann bestätigen, dass die EZB Euro gegen Yen kauft", sagte ein Sprecher. Die Zentralbank greife im Auftrag der japanischen Notenbank ein. Dagegen lehnte die Fed und die Bank von England Stellungnahmen dazu ab. Im Gegensatz zur EZB teilte das japanische Finanzministerium nicht offiziell mit, welche Währung die Bank von Japan bei der Intervention gegen den Yen gekauft hat. "Wie immer können wir keine Stellungnahme abgeben, gegen welche Währung wir interveniert haben", hieß es. Japan werde die Devisenmärkte weiterhin sorgfältig beobachten und bei Bedarf die nötigen Maßnahmen einleiten.

Dollar hat angezogen

Nach der Intervention zog der Kurs des Dollar zum Yen und Euro deutlich an. Die US-Währung kostete zwischenzeitlich 120,36 Yen und damit rund 1,5 Yen mehr als vor der Intervention. Der Euro fiel deutlich unter 0,99 Dollar, nachdem sich die Gemeinschaftswährung zuvor der Parität zur US-Währung genähert hatte.

Antje Praefcke, Devisenhändlerin bei der Helaba, sagte: "Die Zielsetzung der Intervention ist, den Dollar zum Yen zu stützen." Dies sei das erste Mal, dass die Fed und die EZB dabei mitzögen. Allerdings hätten die Zentralbanken für die japanische Notenbank gehandelt, und damit sei es im Prinzip nur eine Intervention der Bank von Japan gewesen. "Es könnte eine psychologisch stützende Wirkung für den Dollar-Yen-Kurs haben, ein weiteres Abgleiten des Dollars zum Yen ist aber nicht auszuschließen", sagte sie. Auch der Euro sei zum Yen etwas angezogen.

Die zuletzt starken Zuwächse des Yen belasten die stark exportorientierte Industrie Japans, da ein starker Yen die Ausfuhren des Landes im internationalen Handel verteuert. (APA/Reuters)

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