SS-Veteran kehrte zurück

28. Juni 2002, 16:51
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US-Gericht verfügte Ausweisung eines 86-jährigen Österreichers aus den Staaten

Wien/Washington - Unter Androhung der behördlichen Deportation aus den USA ist der 86-jährige Michael Gruber nach 46 Jahren nach Österreich zurückgekehrt. Dem früheren Mitglied der Waffen-SS und mutmaßlichen KZ-Wächter werfen die US-Behörden vor, er habe sich Einreise und Aufenthaltsbewilligung durch Angabe falscher Tatsachen erschlichen.

Gruber selbst wehrte sich gegen die Vorwürfe, er habe seine Zugehörigkeit zur SS nie bestritten. Allerdings sei er von den Nazis zwangsrekrutiert worden, niemals KZ-Wächter gewesen, habe kein Verbrechen begangen. Tatsächlich liegt weder in Österreich noch in den USA strafrechtlich Relevantes gegen den gebürtigen Kroaten vor.

"Es gibt keinerlei Unterlagen über seine Beteiligung an Kriegsverbrechen", erklärte Freitag Werner Pürstl, zuständiger Sektionschef im österreichischen Justizministerium, dem STANDARD. "Wir haben den Fall, der uns seit 1998 bekannt ist, mit Innenministerium und Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes geprüft. Es liegt nichts Belastendes vor."

Im September 1942, ein gutes Jahr nachdem die Deutschen das damalige Jugoslawien besetzt hatten, wurde der "Volksdeutsche" einberufen und der SS zugeteilt. Zuerst diente Gruber in Russland, dann wurde er als Wachposten in Oranienburg nahe Berlin eingesetzt, wo Insassen des KZ Sachsenhausen Zwangsarbeit verrichten mussten - bis 1945 hielten die Nazis in diesem KZ mehr als 200.000 Menschen gefangen, Zehntausende wurden ermordet oder fielen Hunger und Krankheit zum Opfer.

Gruber soll laut US-Justiz KZ-Wachmann der "SS-Totenkopfbrigaden" gewesen sein, an NS-Verfolgung mitgewirkt haben, was er beim Visumantrag verschwiegen habe. Der Beschuldigte beteuerte jedoch, dass er lediglich Munitionstransporte zu bewachen hatte. "Im sehr penibel geführten US-Ausweisungsverfahren konnte kein Zeuge ihn als KZ-Wächter identifizieren", sagte Pürstl. Zu Kriegsende kam Gruber an die französische Front, wurde von den Amerikanern festgenommen, 1948 freigelassen.

Er ging nach Voitsberg in der Steiermark, erhielt dort 1955 seinen österreichischen Reisepass. Auch als er 1956 in die USA emigrierte, behielt Gruber seine österreichische Staatsbürgerschaft. Der inzwischen pensionierte Automechaniker lebte bis zuletzt mit seiner Frau in New York.

Die Angaben für sein US-Visum seien jedenfalls mangelhaft gewesen, so Pürstl, worauf ein US-Gericht nun in zweiter Instanz dessen Ausweisung verfügte. Gruber soll bereits vor 14 Tagen nach Österreich gekommen sein. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.6.2002)

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