IHS sieht ungebrochenen Aufschwung in USA

28. Juni 2002, 15:25
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Euro-Dollar-Parität wäre für europäische Konjunktur kein Problem

Wien - Den Grad der Unsicherheit über die kommende Konjunkturentwicklung teilt zwischen den beiden Wirtschaftsforschungsinstituten Wifo und IHS der Atlantik. "Die Unsicherheit für Europa würde ich unterschreiben", sagte IHS-Chef Bernhard Felderer heute Freitag bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturprognose. "Nicht aber für die USA". Im ersten Quartal 2002 sei die US-Wirtschaft zum Vorquartal real um 6,1 Prozent gewachsen, im Jahresabstand betrage das Wachstum revidiert voraussichtlich 1,7 Prozent. Auch im zweiten Quartal 2002 sei eine starke Beschleunigung der US-Konjunktur auf 2 bis 2,5 Prozent vorhersehbar.

Felderer differenzierte nach der Stimmung auf den Kapitalmärkten und der Entwicklung der Realwirtschaft. Die ganze Welt habe in US-Aktien investiert, der Zustrom habe sich auf 4 Prozent des US Bruttoinlandsprodukts (BIP) belaufen. "Nicht vorstellbar, was in Europa bei einer solchen Inanspruchnahme der Börsen passieren würde", so Felderer. Für das Gesamtjahr 2002 geht die IHS-Prognose für die USA von einem realen Wachstum von 3 Prozent für 2002 und 3,25 Prozent für 2003 aus.

Hohe Verschuldung der Verbraucher

Wifo-Chef Helmut Kramer hatte zuvor die internationalen Rahmendaten als Risikofaktor für die Konjunktureinschätzung bezeichnet und gesagt, der jüngste Rückgang an den Börsen (vor allem in USA) könnte die Konsumneigung dämpfen. In den USA gebe es eine überaus hohe Verschuldung der Verbraucher. Und die jüngsten negativen Börsesignale könnten die Konsumenten veranlassen, den Gürtel enger zu schnallen. Bisher sei dies durch billige Konsumentenkredite unterblieben. "Erst in ein oder zwei Monaten werden wir das besser überschauen können", so Kramer.

In Europa sei die Wirtschaftspolitik durch ein wichtiges Wahljahr in großen Volkswirtschaften (Frankreich, Deutschland) geprägt. Offensichtlich werde damit der Stabilitätspakt nicht mehr ernst genommen. Vorgeprescht sei Frankreich, Deutschland könnte nach der Bundestagswahl im heurigen Herbst folgen, Italien liegt im gleichen Trend.

Keine Stärke des Euro

Ein Eingeständnis machte Kramer hinsichtlich der Fehleinschätzung, dass der Eurokurs so bald an der Dollarparität kratzen werde. Bestimmender Einfluss hiefür sei, dass sich viele Anleger in der Dollarregion fragen würden, ob sie nicht in eine spekulative Luftblase investiert hätten. Eine Stärke des Euro bedeute die Kursannäherung nicht.

Felderer sah sich in der Entwicklung bestätigt. "Wir haben immer betont, dass die Erholung nur aus den USA kommen kann". Die Frühindikatoren in den USA seien "auf sehr gutem Niveau", was den weiteren Aufschwung betreffe. Über das Gesamtjahr 2002 sehe das IHS seine Wechselkursprognose von 0,93 US-Cent für einen Euro weiterhin gut abgesichert. Dieser Jahresdurchschnittskurs würde wegen der teureren Exporte das österreichische BIP in der zweiten Jahreshälfte um 0,25 Prozent abschwächen. Bei dem vom IHS für 2003 erwarteten Euro-Kurs von 0,97 zum Dollar würde sich eine ebensolche Konjunkturabschwächung ergeben. Nur wenn der Euro die Dollarparität übersteige (1,10) wäre der dämpfende Effekt mit 0,5 Prozent deutlicher. "Wir erwarten das aber nicht", sagte Felderer.(APA)

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