Wohl bewachtes Kunstwerk

28. Juni 2002, 13:45
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Chris Burden errichtete "Tower of Power" aus einhundert Goldbarren - gezeigt im Wiener Mumok

Wien - Zwei Wachposten von "Securitas" hüten das derzeit vielleicht Aufsehen erregendste Kunstwerk im neuen Sonderausstellungsraum des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Mumok): Die Installation "Tower of Power" des amerikanischen Body-Art Künstlers Chris Burden besteht aus einhundert Goldbarren, je ein Kilo schwer. "Dabei hätten wir wertvollere Schätze im Haus, die nicht dermaßen bewacht werden müssen", meinte Mumok-Direktor Edelbert Köb im heutigen Pressegespräch. Die Goldskulptur thematisiert die Macht der Museen und das Konzept des "Ausstellens" generell. Zu sehen ist das kostbare Stück bis 11. August.

Gleichzeitig mit der Installation wurden auch das neue Sonderausstellungsgeschoß auf Ebene 6 und der von Architekt Heimo Zobernig entworfene "Weisse Kubus" im umgebauten Mumok präsentiert. Köb erwähnte im Pressegespräch die "leidensvolle Baugeschichte des Hauses" und erläuterte, dass der Eingriff notwendig gewesen wäre, um wie jedes Museum einen Raum für Sonderausstellungen zu haben. Zobernig hatte den vom Dorotheum finanzierten "Weissen Kubus" (oder "die Brücke", wie er hausintern heißt), der die Ebene 6 jetzt durchgehend verbindet, als funktionales architektonisches Element und Kunstwerk gleichermaßen gestaltet. Köb betonte auch das Einverständnis von Laurids Ortner, dem Architekten des Mumok. Im Gespräch mit der APA lobte dieser den Eingriff: "Der Würfel ist eine Verdichtung des Schlitzes und ist sehr gut gelungen. Er ist ein eigenes Gebilde und tritt nicht in Konkurrenz zum Bau".

Zur Person

Chris Burden wurde 1946 in Boston geboren. Er gilt seit den späten 70er Jahren neben Paul McCarthy als Hauptvertreter körperbezogener Kunst. In früheren Aktionen thematisierte er das Außenseitertum sowie die zur Schau gestellte Selbstgefährdung und definierte seine Kunst als existenzielle Handlung, die sich gegen gesellschaftliche Normen wandte. Die Skulptur "Tower of Power" reflektiert die wert- und bedeutungsstiftende Rolle von Institutionen. Er konstruierte sie erstmals 1985 im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut. "Ich habe nicht gewusst, wie wunderbar sich Gold anfühlt, bis ich es damals zum ersten Mal berührt hatte", erzählte Burden im heutigen Pressegespräch. "Die Ironie daran ist, dass der 'Turm der Macht' eigentlich nur ein kleines Türmchen ist, aber Gold ist ein sehr spezielles Material. Übrigens verkaufe ich die Skulptur - um fünfzehn Prozent mehr als der aktuelle Goldpreis", scherzte der Künstler.

Dagegen hätte die Österreichische Nationalbank wohl einiges einzuwenden, immerhin hat sie bzw. die "Münze Österreich" die Goldbarren zur temporären Verfügung gestellt. Bis Sonntag (30. Juni) bewachen noch die Securitas-Beamten den Schatz in der Glasvitrine. Danach werden Mitarbeiter des Mumok die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen. Mit großem Ansturm ist jedenfalls zu rechnen, denn kunsthistorischer Fama zufolge verkaufen sich Ausstellungen, die den Namen "Gold" im Titel tragen, angeblich hervorragend. (APA)

Ausstellung: Chris Burden: "Tower of Power / Hundert Kilo Gold"

Eröffnung Freitag Abend 19 Uhr, Laufzeit bis 11. August, Di-So 10-18, Do 10-21

Ort: Mumok im Museumsquartier, Wien 7, Museumsplatz 1

Tel: 01-525 00-1400
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    Das "Türmchen of Power" in der Totalen ...

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    ... und von Nahem

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