Arbeiterproteste und Unruhen in Südchina

28. Juni 2002, 13:23
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Dutzende von Verletzten - Berichte über Tote

Shanghai - Bei einem Arbeiterprotest in einer Textilfabrik in Südchina hat es Dutzende von Verletzten gegeben. Mehrere Tausend Angestellte hätten drei Tage lang gegen Entlassungen und ausstehende Löhne demonstriert, berichteten staatliche Medien am Freitag. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften der Firma seien 70 bis 80 Menschen verletzt worden, mehrere hätten Knochenbrüche erlitten. Eine Sprecherin der Wollfabrik und ein lokaler Regierungsbeamter wiesen einen Zeitungsbericht zurück, nach dem zwei Arbeiter bei den Unruhen getötet worden sind. Die Zahl der Arbeiterproteste, die sich gegen Massenentlassungen, Bankrotte oder Korruption richten, hat in der Volksrepublik China deutlich zugenommen.

Die Arbeiter der Textilfabrik in der Provinz Guangdong hatten sich nach Angaben der Zeitung "Yangcheng Wanbao" heftig gewehrt, nachdem die Sicherheitskräfte einige Demonstranten mit Metallrohren und anderen Waffen angegriffen hätten. Nach Angaben der Firmensprecherin sind die Wachleute entlassen und durch Kräfte der örtlichen Polizei ersetzt worden. Zudem habe die Fabrik, die einem Unternehmer aus Hongkong gehört, mit der Auszahlung von Löhnen begonnen. Einige Arbeiter aus der mehr als 10.000-köpfigen Belegschaft seien bereits wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Wachsende soziale Spannungen

Die Zeitung zitierte die Aussagen von Arbeitern, wonach ein Demonstrant durch Schläge mit einem Eisenrohr auf den Kopf getötet worden und ein weiterer in der Krankenstation der Fabrik seinen Verletzungen erlegen war. Sowohl Arbeiter als auch Wachleute hätten die Polizeikräfte angegriffen, die die Unruhen unterdrücken wollten, berichtete das Blatt.

Vor dem Hintergrund wachsender sozialer Spannungen mit Massenentlassungen in der Staatsindustrie und einem steilen Einkommensgefälle zwischen Küstenprovinzen und Hinterland hatte die chinesische Führung im Vorjahr eine gravierende Entscheidung getroffen. Hunderte Millionen Arbeitskräfte sollen sich künftig frei im Lande bewegen können, um leichter Beschäftigung zu finden. Die Zahl der überschüssigen Arbeitskräfte auf dem Lande übersteigt 150 Millionen. In den kommenden fünf Jahren werde sie jährlich um fünf bis sechs Millionen wachsen, stellte die Planungskommission fest. Die Arbeitslosigkeit werde weiter steigen, da China die industrielle Umstrukturierung und die Reform der Staatsbetriebe beschleunige, sagte die Kommission voraus. Die enorme Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folge der Wirtschaftsreformen hat in mehreren Teilen des bevölkerungsreichsten Landes der Welt zu Unruhen und Massenprotesten geführt. (APA/dpa)

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