Französische Sozialisten ringen nach Wahlschlappe um neuen Kurs

28. Juni 2002, 12:27
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Fabius vom linken Flügel als Parteisprecher abgelehnt

Paris - Nach ihrer Niederlage bei den Parlamentswahlen ringen die französischen Sozialisten (PS) um ihren künftigen Kurs in der Opposition. Die "Streitereien" müssten aufhören, forderte am Freitag die frühere Haushalts-Staatssekretärin Florence Parly. Nach übereinstimmenden Zeitungsberichten verhinderten die Exponenden der Parteilinken um Ex-Arbeitsministerin Martine Aubry und den früheren Präsidenten der Nationalversammlung und Ex-Parteichef Henri Emmanuelli, dass Ex-Premier Laurent Fabius zum Parteisprecher ernannt wird. Auf der Sitzung des Parteiparlaments, das am Samstag in Paris zusammentreten soll, werde der bisherige Parteisprecher Vincent Peillon im Amt bestätigt werden.

Fabius, zuletzt Wirtschafts- und Finanzminister, soll nach Angaben seines Vertrauten Claude Bartolone nun den nicht näher definierten Posten der "Nummer Zwei" in der Parteihierarchie hinter PS-Chef Francois Hollande erhalten. Hollande hatte in der vergangenen Woche vorgeschlagen, Fabius solle Peillon als Parteisprecher ersetzen. Daraufhin hatte Aubry gedroht, sie werde in diesem Fall aus der Parteiführung ausscheiden. Der ehemalige Bildungs- und Kulturminister Jack Lang forderte, die Sozialisten müssten sich in eine "deutlich mehr links orientierte und eindeutig antiimperialistische" Partei verwandeln.

Neuorientierung

Die Neuorientierung der Sozialisten, die bis Mai an der Regierung waren und nach dem Rücktritt von Premierminister Lionel Jospin ins Trudeln gerieten, soll im Frühjahr kommenden Jahres auf einem Parteitag Gestalt annehmen. In den vergangenen Wochen gingen bei den Sozialisten 14.000 Aufnahmeanträge ein. Nachdem Jospin im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl Ende April von dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen überrundet worden war, hatte es eine breite Mobilisierung für die Sozialisten gegeben. Allerdings errang die Sozialistische Partei bei der Parlamentswahl nur 140 Mandate, während die rechtsbürgerliche Union für die Präsidentenmehrheit (UMP) von Staatschef Jacques Chirac eine satte absolute Mehrheit von 355 Sitzen in der Nationalversammlung erreichte. (APA)

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