"Alles andere wäre Verrat an Frauen"

29. Juni 2002, 14:00
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Trotz Warnung seitens der Kirche wurde die "Weihe" von sieben Frauen vollzogen - Es droht die Exkommunikation

Linz/Passau - Linz/Passau - Sieben Frauen haben sich am Samstag letztlich der "Priesterinnen-Weihe" auf dem Donauschiff "MS Passau" unterzogen. Zelebriert wurde die Feier vom argentinischen "Erzbischof" Romulo Braschi und dem kürzlich von Braschi zum "Bischof" "geweihten" Oberösterreicher Ferdinand Regelsberger. Unter den "geweihten" Frauen befanden sich vier Deutsche, drei Österreicherinnen und eine US-Amerikanerin. An der Feier teilgenommen hat auch Karin E. Leiter, die 1998 als zweite Frau als altkatholische Priesterin geweiht worden war. Im Radio-"Mittagsjournal" sagte Leiter, es handle sich um eine wahrhaft ökumenische Feier.

Gisela Forster, eine der "Priesterinnen", betonte, man wolle keine Spaltung der Kirche. Eine weitere Organisatorin, Christine Mayr-Lumetzberger verwies auf die besondere Bedeutung des Tages. Es seien "keine Scheiterhaufen in Flammen aufgegangen". Unerlaubt und ungültig

Die katholische Kirche distanziert sich nachdrücklich von der Weihe. Sie sei unerlaubt und und ungültig, den Frauen droht die Exkommunikation, denn die organisierte "Priesterinnenweihe" stellt nach dem römisch-katholischen Kirchenrecht eine "Tatstrafe" dar, welche die automatische Exkommunikation nach sich zieht. Dazu bedarf es nach den Bestimmungen des kirchlichen Gesetzbuches keines weiteren Formalakts. Die Exkommunikation (auch Kirchenbann) bedeutet den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen.

Besserungsstrafe

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es nur noch wenige Fälle, bei denen die Exkommunikation verhängt wird oder automatisch eintritt. Die Exkommunikation gilt als Besserungsstrafe und trifft keine Aussage über das endgültige Seelenheil. Wenn die geforderte Buße geleistet ist oder das Delikt nicht mehr besteht, ist die Aussöhnung mit der Kirche möglich. Dann kommt es zur Lossprechung (Absolution) von der Exkommunikation.

Im Mittelalter wurde zwischen der "kleinen" Exkommunikation, die den Ausschluss von den Sakramenten zur Folge hatte, und der "großen" Exkommunikation, die jeglichen Umgang mit dem Bestraften verbot, unterschieden. Der "großen" oder "feierlichen" Exkommunikation folgten nicht selten staatliche Sanktionen, wie die gegen Martin Luther verhängt Reichsacht (Reichstag zu Worms 1521). Die Kirche bediente sich bis in die Neuzeit oft der weltlichen Macht, um Sanktionen wie die Exkommunikation durchzusetzen.

Aichern: Außerhalb der Kirche

Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern betonte bei einem Festgottesdienst für Priesterjubilare am Samstag im Linzer Mariendom, dass die so genannte "Weihe" der Frauen, wie sie jetzt vollzogen werde, "nach dem geltenden Kirchenrecht ungültig ist". Die Initiatorinnen und Initiatoren dieses Aktes würden sich "außerhalb der Kirche stellen", sagte Aichern.

Zu bedauern seien "derartige Aktionen" aber auch deshalb, "weil sie das Bemühen um eine bessere Anerkennung der Frauen in der Kirche und ihre wirkliche Gleichberechtigung nicht fördern, sondern eher behindern", so der Bischof.

In der Diözese Linz - wie auch in vielen anderen Diözesen - bemühe man sich seit Jahren, die "Mitverantwortung der Frauen in den Pfarren wie in der Diözese sichtbar zu machen und berechtigte Anliegen der Frau in Kirche und Welt ins Gespräch zu bringen". Er danke im Besonderen den Frauen "für ihren Einsatz in der Glaubensweitergabe, in der pfarrlichen Arbeit sowie überhaupt in der Mitarbeit in wichtigen Aufgaben und Bereichen", erklärte der Linzer Diözesanbischof.

(APA/red)

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