High Tech-Aktien weiter fallend

28. Juni 2002, 10:53
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Anglo Irish Bank: "Negativ-Hype" hat jahrelange Börsenparty abgelöst - Anleger sollten nur langfristig investieren

Wien - Weitere Kursbereinigungen bei High Tech-Aktien unter dem Eindruck des WorldCom-Skandals erwartet die Anglo Irish Bank (AIB) in Wien. "Viele Titel sind nach wie vor überbewertet", sagte Martin Wachter, Geschäftsführer der AIB-Tochter Anglo Irish Bank (Austria) Kapitalanlagegesellschaft (KAG) zur aktuellen Entwicklung der Aktienmärkte.

Insgesamt sei jetzt ein "Negativ-Hype" zu beobachten, eine Umkehrung der Situation von vor zwei, drei Jahren, meint Wachter. Wurde damals fast jeder "Dot.com-Titel" gekauft, so würden diese heute geradezu zwanghaft abgestoßen. Am Höhepunkt des Technologiebooms belächelte Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Umsatzwachstum seien jetzt wieder wichtig, ebenso ordentliche Bilanzierung und Buchführung.

Markt ist "unberechenbar"

Der Markt sei "unberechenbar" mit einer stark nach unten zeigenden Tendenz, so Wachter. Bei Technologie-Aktien gebe es derzeit das Phänomen der so genannten "Bear-Markt Rally": Broker kaufen Technologie-Papiere nach größeren Kursverlusten, um sie bei einem leichten Anstieg sofort wieder mit Gewinnen zu verkaufen. Da dies privaten Anlegern nicht möglich ist, meiden sie diese Titel meist grundsätzlich.

Die aktuelle Situation sei eine "wirtschaftlich normale Marktbereinigung", wie sie seinerzeit auch bei Eisenbahngesellschaften, Autoherstellern oder in der Computerbranche stattgefunden habe. Große, substanziell abgesicherte Werte sollten gestärkt aus diesem Umfeld hervorgehen.

Viele Technologietitel nach wie vor für überbewertet

Trotz des allgemeinen Kursverfalls hält Wachter viele Technologietitel nach wie vor für überbewertet und rechnet mit weiteren Kursbereinigungen, etwa beim Chiphersteller Intel. Das Unternehmen mit einem Börsewert von 120 Mrd. Dollar (121 Mrd. Euro) erwirtschaftet derzeit lediglich einen Umsatz von 27 Mrd. Dollar. Bei IBM stehe dem derzeitigen Börsewert von 136 Mrd. Dollar immerhin ein Umsatz von 86 Mrd. Dollar gegenüber. "Diese Relationen müssen noch korrigiert werden", erwartet Wachter.

Die auf Fondsmanagement spezialisierte AIB-KAG hat in den vergangenen Monaten den Anteil von Technologie-Titeln in ihren Aktienfonds reduziert. Die Bank setzt derzeit verstärkt auf nicht zyklische Titel wie Lebensmittel, Tabakkonzerne oder Energieversorger.

Trotz des Abwärtstrends an den Weltbörsen rät Wachter derzeit zu investieren. Kleinanleger sollten regelmäßig einen fixen Betrag in Investmentfonds anlegen und drei bis fünf Jahre abwarten. Langfristig sollten sich Aktienfonds rentieren, bei einem monatlichen Vermögensaufbau sei ein Einstieg durchaus ratsam, auch wenn es in nächster Zeit noch bergab gehen könne.(APA)

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    foto: photodisc
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