Postämter-Zusammenlegung abgeschlossen

28. Juni 2002, 13:45
posten

Spartenaufteilung beginnt - in 245 Gemeinden übernehmen Nahversorger die Sortimente

Wien - Die Österreichische Post AG hat wie angekündigt die geplante Auflassung von 637 ihrer ursprünglich insgesamt 2.300 Postämter weitgehend abgeschlossen. 586 haben bereits zugesperrt. 25 weitere schließen dieser Tage, 17 sollen noch bis 19. Oktober dieses Jahres folgen, hieß es aus der Unternehmensführung am Freitag zur APA. Nur bei neun Postämtern, die ursprünglich geschlossen werden hätten sollen, hat die Post ihre Meinung geändert. "Amnestie" erhielten sechs Postämter in Kärnten, eines in Oberösterreich, eines in Tirol und eines in Niederösterreich.

Entgegen anfänglichen Ankündigung von Landeshauptmann Jörg Haider, wonach in seinem Bundesland kein Postamt geschlossen werde, war auch Kärnten bereits von den Postamtszusammenlegungen betroffen. 11 Postämter wurden bereits geschlossen, 15 weitere sollen noch bis Mitte Oktober folgen.

Alternativen für die Gemeinden

In 245 Gemeinden hat es die Post geschafft, Alternativen anzubieten: In 160 Orten sollen Post-Partner, großteils Nahversorger, das gesamte Sortiment übernehmen. 60 Gemeinden erhalten eine Servicestelle mit eingeschränktem Angebot im Gemeindeamt, und in 25 Orten wird im Gemeindeamt eine Hinterlegungsstelle eingerichtet. In den übrigen Gemeinden gibt es keinen örtlichen Postamtsersatz, der Landzusteller wird die Aufgaben der Post übernehmen.

Der Protest in den Gemeinden geht unterdessen ungeachtet weiter. Auch eine auf Drängen des Verkehrsministeriums eingerichtete Kontrollkommission hat dem Vernehmen nach keine Einigung gebracht. Die Kommission, die sich aus einem Vertreter der Post, einem Repräsentanten des Österreichischen Gemeindebunds und einem gemeinsam ernannten Nahversorgungsexperten zusammensetzt, hätte zwischen Post und Gemeinden vermitteln sollen. Über 320 Schreiben sind bei der Kommission eingelangt. In allen Fällen soll die Beschwerdestelle der Post Recht gegeben haben. Der Betriebsrat spricht von einer Alibikommission. "Mir ist kein Fall bekannt, in dem die Kommission die Postamtsschließung verhindert hätte", meint der oberste Gewerkschafter Gerhard Fritz.

Spartenaufteilung

Die Post AG beginnt mit der Spartenaufteilung ihres Unternehmen. Geplant ist die Trennung der Bereiche Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter (Filialnetz) und KEP (Kurier-Express-Paket).

Laut Betriebsrat hat die Post aber bisher lediglich die Aufgaben im Vorstand nach dem neuen Konzept verteilt und 150 neue Manager engagiert. Die Zahl der Führungskräfte sei damit um 10 Prozent auf rund 2.000 gestiegen, was sich in deutlichen Mehrkosten von rund 11,25 Mill. Euro niederschlage, sagt der oberste Post-Betriebsratschef Gerhard Fritz. Diesen Vorwurf bezeichnete die Unternehmensführung wörtlich als "Seifenblase, die genauso platzen wird wie früher vorgerechnete Fehleinschätzungen". Die Vorwürfe entsprächen nicht den Tatsachen. Tatsächlich beschäftige die Post AG nur 400 Führungskräfte für ihre rund 25.000 Mitarbeiter, so ein Sprecher zur APA: Ob und um wie viel sich die Zahl der Post-Manager durch die neue Organisation erhöht, wollte er aber nicht kommentieren.

Der Eigentümer verlange vom Vorstand, dass der Anteil des Betriebsgewinns (EBIT) am Umsatz von derzeit 1 auf 5 Prozent verbessert werde. Durch die Spartenorganisation sei dies nicht möglich, meint Fritz. Aus Sicht des Gewerkschafters bringt die neue Spartenorganisation mehr Kosten als Nutzen. Allein die bereits vollzogene Aufstockung der Führungsriege koste das Unternehmen jährlich 75.000 Euro pro Manager mehr bzw. in Summe 11,25 Mill. Euro zusätzlich für diese rund 150 Führungskräfte. Durch die Spartenorganisation erwartet er eine weitere "Umsatzvernichtung auf Grund sich gegenseitig konkurrierender Sparten" - etwa Infomail und KEP oder Infomail und Brief. Der Vorstand bekräftigte indessen, dass das Ziel der Spartenorganisation die Verbesserung der Ergebnissituation durch weitere Kostenreduktionen und Umsatzsteigerungen sei sowie die Positionierung des Unternehmens "im nationalen Wettbewerbsumfeld und in der internationalen Globalisierung".

2001 ist der Umsatz der Österreichischen Post trotz einer Preiserhöhung um 26 Mill. Euro auf 1,505 Mrd. Euro zurückgegangen. 2002 plant das Unternehmen laut einem internen Papier (Stand 11.2.2002) 1,54 Mrd. Euro Umsatz, bei einem EBIT von 45,6 Mill. Euro. (APA)

Link

Post

Share if you care.