Entwicklungshelfer gegen Afrika-Aktionsplan

28. Juni 2002, 17:20
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Oxfam: "Nur heiße Luft"

Calgary - Sofort nach Verabschiedung des Afrika-Aktionsplanes auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Kanada haben Hilfsorganisationen die Initiative als nicht weitgehend genug zurückgewiesen. Die Erklärung der G-8 enthalte nur "heiße Luft", erklärte die Hilfsorganisation Oxfam in Calgary. Kanadas Premierminister Jean Chretien dagegen feierte den Plan nach Abschluss des Gipfels als Meilenstein: "Wir helfen Afrika, sich selbst zu helfen."

Der Afrika-Aktionsplan wurde am Donnerstag im Beisein von vier afrikanischen Staatschefs und UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Kananaskis verabschiedet. Damit werde Reformstaaten auf dem Kontinent erstmals eine "wirkliche Partnerschaft" angeboten, betonte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Jede Seite bringe etwas ein: Die afrikanischen Staaten verpflichteten sich zu "guter Regierungsführung" und zur Fortsetzung demokratischer Reformen. Die G-8-Staaten wollten dies unterstützen und ihre Entwicklungshilfe verstärkt nach Afrika lenken.

Allerdings wurden keine neuen Gelder für Afrika beschlossen. Vielmehr soll die von der Geberkonferenz in Monterrey im März beschlossene Aufstockung der Entwicklungshilfe von USA und Europäischer Union mindestens zur Hälfte Afrika zugute kommen. Dies macht für Afrika jährlich eine Milliardensumme aus, ab 2006 werden es pro Jahr rund sechs Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) sein. Chretien machte dabei klar, dass alles von den afrikanischen Staaten abhänge. "Wenn sie ihre Aufgaben nicht meistern, wird kein Geld fließen."

Dieser Ansatz wurde von Hilfsorganisationen kritisiert. Die afrikanischen Staaten sollten zu "Wohlgefallen" gezwungen werden, beanstandete die vor allem in den USA aktive Organisation Jubilee. Außerdem wurde das Ausbleiben neuer Hilfsgelder angeprangert. "Es wird unter neuem Etikett nur verkauft, was bereits versprochen war", kritisierte die katholische Cafod-Organisation. Oxfam bezeichnete das Ergebnis als "Peanuts". Die Erklärung der USA, Kanadas, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans und Russlands sei "voller Plattitüden". "Afrika braucht keine schönen Worte, sondern Taten."

Dagegen priesen die Staatschefs von Südafrika, Algerien, Nigeria und Senegal auf einer gemeinsamen Pressekonferenz den G-8-Plan. Sie waren extra für die Zeremonie sowie ein gut einstündiges Gespräch und ein gemeinsames Essen nach Kananaskis geflogen. Ursprünglich hätte auch der ägyptische Präsident Hosni Mubarak kommen sollen, er sagte seine Teilnahme aber wegen der gespannten Lage im Nahen Osten ab. (APA)

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