Kurt Collien 95-jährig gestorben

28. Juni 2002, 11:28
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Konzertveranstalter aus Hamburg half Josephine Baker und Zarah Leander, Freddy Quinn und dem Clown Grock

Hamburg - Der Hamburger Konzertveranstalter Kurt Collien, der als Grandseigneur in seiner Branche galt, ist am Donnerstag in einer Klinik der Hansestadt im Alter von 95 Jahren gestorben.

Er holte die glitzernde Welt der Stars nach Hamburg, darunter Josephine Baker, Marlene Dietrich, Lale Andersen, Zarah Leander, Marika Rökk und Maurice Chevalier. Für Trends bewies der gebürtige Hamburger stets die richtige Nase. Er engagierte die Operndiva Maria Callas und die Wiener Philharmoniker ebenso wie Freddy Quinn und den Clown Grock, den Ballettstar Rudolf Nurejew und den Rocksänger Bill Haley.

Collien schloss zunächst eine Lehre als Kaufmann ab, doch die bunte Welt der Unterhaltung lockte ihn mehr. 1932 gründete er seine erste Konzertkasse, 1939 entzog ihm die Reichsmusikkammer der Nazis die Arbeitserlaubnis, weil er weiterhin mit jüdischen Agenten Kontakte pflegte. Nach dem Krieg rief er eine Theaterkasse mit Musikalienhandlung ins Leben und gründete 1951 den Circus Grock, der mit dem Clown Grock weltberühmt wurde. Als dieser 1954 von der Bühne abtrat, führte der Veranstalter das Unternehmen als Circus Collien bis 1957 weiter. Dort begann auch die Karriere von Caterina Valente.

1961 übernahm Collien das Hamburger Operettenhaus, das er mit glanzvollen Produktionen aus dem Dornröschen-Schlaf weckte. Die deutsche Erstaufführung von "Anatevka" mit Shmuel Rodenski als Milchmann Tevje war ein Ereignis. Mit dem umstrittenen Musical "Oh Calcutta" gingen 1971 die Lichter im Operettenhaus jedoch aus. Mit dem St. Pauli-Theater übernahm Collien dann eine volkstümliche Bühne, die er mit Freddy Quinn als "Junge von St. Pauli" zu großen Erfolgen führte. (APA/dpa)

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