Zügige Diebesgefahr

27. Juni 2002, 20:02
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"Die Täter suchen immer den Weg des geringsten Widerstandes" - Polizei und ÖBB starten Aufklärungsaktion

Wien - 1350-mal meldeten sich im vergangenen Jahr Menschen, die im Zuge einer Bahnfahrt bestohlen wurden. Besonders Fernreisezüge sind gefährdet, die ÖBB und der Kriminalpolizeiliche Beratungsdienst (KBD) wollen gerade zu Ferienbeginn wieder verstärkt auf Versuchungen für Langfinger hinweisen, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz am Wiener Westbahnhof betont.

"Die Täter suchen immer den Weg des geringsten Widerstandes", erläutert Peter Jedelsky vom KBD. Wer Gepäck am Bahnhof stehen oder bei einem Besuch im Speisewagen den Laptop offen im Abteil liegen lässt, geht daher naturgemäß ein besonderes Risiko ein. "Für Taschendiebe ist besonders das Gedränge beim Ein- und Aussteigen verlockend", weiß der Beamte.

Aufklärungsquote liegt im Promillebereich

Vorsicht zahlt sich doppelt aus, denn die Aufklärungsquote liegt im Promillebereich, wie Gerhard Schiffauer, Leiter des ÖBB-Bereichs Öffentliche Sicherheit, eingesteht. Dennoch ist man mit der Bilanz zufrieden, konnte die Zahl der Diebstähle in einem Jahr doch um neun Prozent gesenkt werden.

"Ein wesentlicher Beitrag war dafür die Errichtung einer eigenen Datenbank. Wird im Zug ein Diebstahl entdeckt, kann der Zugbegleiter sofort die Meldung faxen", berichtet Schiffauer. Wird eine Häufung auf einer bestimmten Verbindung registriert, wird gemeinsam mit der Exekutive verstärkt kontrolliert.

Ein besonderes Risikogebiet ist der oberitalienische Raum

Eine derartige Aktion soll prophylaktisch auch an den kommenden Tagen im Wiener Raum durchgeführt werden. Polizisten und Bahnbedienstete werden anlässlich des Ferienbeginns auf Bahnhöfen und in Zügen sein, Reisende auf etwaiges Gefahrenpotenzial hinweisen und Broschüren verteilen.

Ein besonderes Risikogebiet ist der oberitalienische Raum. Hier wird international zusammengearbeitet. Die italienische Eisenbahn und das Innenministerium in Rom haben angekündigt, den Großteil der Relationen zwischen Österreich und Italien verstärkt zu überwachen. (moe, DER STANDARD Printausgabe 28.6.2002)

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