Der Padilla-Effekt

27. Juni 2002, 20:03
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Markus Bernath über den Zusammenhang zwischen den Warnungen vor der "schmutzigen Bombe" und der Finanzierung der Terrorabwehr

Als FBI-Beamte vergangenen Mai den "schmutzigen Bomber" José Padilla alias Abdullah al-Muhajir auf dem Flughafen von Chikago aufgriffen, bereitete die US-Regierung unter George W. Bush schon mehr oder minder elegant eine Wende um 180 Grad vor: Von Moskau aus eröffnete Justizminister John Ashcroft einem verschreckten Publikum, dass die Bundespolizei einen Anschlag mit einer radioaktiven Bombe in den USA vereitelt habe; das Material wollte sich Padilla angeblich in einer früheren Sowjetrepublik besorgen. Ein Jahr zuvor noch, im August 2001, hatte sich dieselbe US-Regierung für die Aufkündigung eines Abkommens mit Russland zur sicheren Beseitigung von waffenfähigem Plutonium entschlossen. Einziges Argument damals: zu teuer.

Der Padilla-Effekt wird es dem amerikanischen Steuerzahler leichter machen, noch eine weitere Rekordausgabe für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu schlucken. Auf zehn Milliarden Dollar soll sich zunächst der Beitrag der USA für die Vernichtung von Plutonium aus schlecht gesicherten russischen Beständen belaufen - ein Drittel mehr, als die US-Regierung noch vergangenen Sommer kalkulierte und für zu kostspielig befand; vergleichsweise weniger, weil sich die anderen großen Industriestaaten auf dem G-8-Gipfel in Kanada nun bereit erklärten, ebenfalls an die zehn Milliarden Dollar für ein umfangreicheres Sicherheitsprogramm beizusteuern.

So ist es nicht das erste Mal, dass das Weiße Haus des Republikaners Bush unter dem Eindruck des 11. Septembers außenpolitische Positionen revidiert. Doch klarer als zuvor ist Bushs symbolische Politik von der Realität eingeholt worden: Eine Regierung, die bereit ist, jährlich acht Milliarden Dollar für die Entwicklung eines Raketenabwehrsystems mit unsicheren Chancen auszugeben, kann sich erst recht den Schutz ihrer Bevölkerung vor einer realen Terrordrohung etwas kosten lassen.

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