"Distance of the Moon": Oper ohne Sänger

27. Juni 2002, 19:55
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Bernd R. Bienert: Premiere im Schömer-Haus

Klosterneuburg - Vor dreizehn Jahren brachte der Wiener Choreograf Bernd R. Bienert im von Heinz Tesar geplanten Schömer-Haus in Klosterneuburg als Auftragswerk der Familie Essl sein Ballett Visions Fugitives heraus. Heute gelangt zur Musik von Karlheinz Essl Distance of the Moon zur Uraufführung. In den Jahren dazwischen hat der ehemalige Staatsoperntänzer Bienert internationale Karriere gemacht:

Seine Werke finden sich im Repertoire sämtlicher europäischer Kompanien; er reüssierte als Ballettdirektor der Zürcher Oper (1991-1996), wo er dank seiner überlegten Programmgestaltung, seiner eigenwilligen Kreationen und der Zusammenarbeit mit renommierten Architekten wie Renzo Piano oder Jean Nouvel überregionales Interesse erweckte. Weniger glücklich verlief sein 1999 angetretenes Engagement am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken, aus dem er wegen Differenzen vorzeitig ausstieg.

Heute schätzt der vielseitige 40-jährige Künstler das freie Schöpfen. Und Distance of the Moon darf man vielleicht als Vorgeschmack auf Zukünftiges betrachten. Bienert: "Von Anfang an habe ich immer wieder literarischen Texte in Szene gesetzt. Was mir heute vorschwebt, ist Oper ohne Sänger zu machen. Texte kann man ja auch durch Computerstimmen, Bewegung und Licht vermitteln." In diese Richtung geht das Stück, wofür sich Bienert von einer Erzählung über die Faszination des Mondes von Italo Calvino inspirieren ließ.

Dabei wird der das ovale Atrium des Bürogebäudes beherrschende doppelseitige Treppenturm zum visuellen Zentrum. Das Stiegenhaus mutiert zur bewegten, verklärten Skulptur, in der Martina Haager, Kun-Chen Shih und Karin Steinbrugger ihre Aktionen setzen. Laut Bienert wird die Geschichte nicht konkret erzählt. "Mich interessiert viel mehr, welche Konstellationen sich da im Raum ergeben. Die Tänzer agieren nach einem vorgegebenen Konzept mit Momenten der Improvisation." Ähnlich verhält es sich mit Karlheinz Essls Musik. Dazu der Komponist: "Es gibt eine Grundstruktur, und doch entsteht die Musik im Moment, in Reaktion auf die Tänzer." (DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2002)

Von Ursula Kneiss

Service

Schömer-Haus,
Klosterneuburg, Aufeldstraße 17-23.
28. und 29. Juni,
jeweils 22.00
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