Desaster für Elektroniker

27. Juni 2002, 19:14
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Elektro- und Elektronikproduktion 2001 erstmals rückläufig seit zehn Jahren

Wien - Die Herbstlohnrunde in der Elektro- und Elektronikbranche wird heuer so spannend wie schon lange nicht. Denn es gibt so wenig zu verteilen wie nie zuvor in der abgelaufenen Dekade. "Die Branche verzeichnete ihr schlechtestes Jahr seit zehn Jahren", sagte Siemens-Generaldirektor Albert Hochleitner, zugleich Obmann des Elektronik-Fachverbands (FEEI), am Donnerstag.

Der Produktionswert ging 2001 um 5,6 Prozent und war damit erstmals seit zehn Jahren rückläufig. Insgesamt wiesen die Elektroniker damit das schlechteste Ergebnis seit 25 Jahren aus: Die Branche produzierte Waren im Gesamtwert von 9,65 Mrd. EURO. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2000 waren es 10,2 Mrd. EURO gewesen.

Rückenwind bei der Herbstlohnrunde

Der dramatische Einbruch bedeutet für die Arbeitgeber freilich Rückenwind bei der Herbstlohnrunde. "Wir erwarten einen spürbaren Beitrag der Arbeitnehmer zur Sicherung der gesamten Branche", sagte Hochleitner, der Arbeiter- und Angestellte in einem Tarifvertrag zusammenführen und automatische Vorrückungen (Biennien) möglichst abschaffen will. Im Übrigen sei der Abschluss 2001 "wahrscheinlich zu hoch" gewesen.

Besonders auffällig: Die Inlandsnachfrage brach zusammen, was auf den Investitionsstopp im Telekom- und Energiesektor sowie die Krise der Bauwirtschaft zurückzuführen sei. "Sowohl im Telekomfestnetz als auch bei Kraftwerken wird praktisch nichts mehr investiert", beklagte Hochleitner. Sorgenkinder sind weiters die Unterhaltungselektronik sowie Motoren, Generatoren und Transformatoren, deren Produktionswert um 20,8 Prozent zurückging. Den Rest habe die Weltkonjunktur besorgt.

Vier Sparten mit Produktionswachstum

Insgesamt, sagte der scheidende FEEI-Geschäftsführer Heinz Raschka - er wird von seinem Stellvertreter Lothar Roitner abgelöst -, wiesen nur mehr vier Sparten ein Produktionswachstum aus: Verteilungs- und Schalteinrichtungen, Kabel und Drähte, elektrische Ausrüstungen für Straße und Bahn sowie Akkumulatoren und Batterien.

Verhindert wurde der Totalabsturz der Branche vom Export, die heimische Elektrobranche exportierte im Wert von 10,3 Mrd. EURO, das ist ein Plus von 4,9 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten ging von 64.280 auf 62.235 zurück.

Heuer wird die Branche maximal um 1,2 Prozent wachsen (statt 2,8 Prozent), 2003 hofft man wieder auf drei Prozent. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 28.6.2002)

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