Mafia-Fahnder unter Anklage gestellt

27. Juni 2002, 23:14
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Zu intensiver Kontakt zu "Paten" - Edok-Beamte bleiben in Untersuchungshaft

Wien- Die Anklage gegen jene Wiener Mafia-Fahnder, die Anfang April unter dem Verdacht festgenommen wurden, allzu intensive Kontakte zu einem mutmaßlichen Paten der polnischen Mafia gepflogen zu haben, ist fertig. "Den Beamten wird Amtsmissbrauch in mehreren Punkten vorgeworfen. Weitere Verdachtsmomente sind noch Gegenstand von Erhebungen", erklärte Helmut Kellner, Erster Staatsanwalt in Wien.

Die vorerst aus dem Verkehr gezogenen Beamten der inzwischen aufgelösten Einsatzgruppe zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (Edok) bleiben in Untersuchungshaft. Rechtskräftig ist die Teilanklage, der angesichts der Verdachtslage mit ziemlicher Sicherheit eine weitere folgen dürfte, noch nicht.

Verwicklungen in Mordanschlag auf polnischen Sportminister Jacek Debski

Die vier Beamten, unter ihnen ranghohe Ermittler, sollen dem mutmaßlichen Paten Jeremiasz B. behilflich gewesen sein. Der gebürtige Pole, der 1998 österreichischer Staatsbürger wurde, war im Juli 2001 von der Soko Nord - einer Sondereinheit der Kriminalabteilung Niederösterreich - verhaftet worden, weil er hinter dem Mordanschlag auf den ehemaligen polnischen Sportminister Jacek Debski stehen soll.

Die Edok-Ermittler unterhielten mit dem mutmaßlichen Paten einen Informationsaustausch - er wurde "abgeschöpft", die im Gegenzug gegebenen Informationen sollen die Ermittlungen der Soko Nord behindert, diese Beamten sogar gefährdet haben. Selbst als B. im Gefängnis saß, riss der Informationsfluss den Ermittlungen nach nicht ab. (APA)

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