Drei Tote nach Familiendramen

27. Juni 2002, 19:34
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Südsteirischer Tankwart erdrosselte Tochter - Verweste Leiche mit Kopfschuss

Graz - Es war der Endpunkt einer Familientragödie: nach einem Streit mit seiner 13-jährigen Tochter Bianca erdrosselte der Tankwart Siegesmund S. aus St. Georgen (Bez. Leibnitz) das Kind mit einem Kabel und stürzte sich anschließend von einer 52 Meter hohen Autobahnbrücke in der Nähe der Raststation Arnwiesen in den Tod. Zurück blieben zwei Frauen. Die Mutter Biancas, die von zu Hause ausgezogen war und nun zu ihrer Familie zurückkehren wollte, und die neue Lebensgefährtin von Siegesmund S.

Abschiedsbrief

Der 38 Jahre alte Südsteirer fand sich offenbar in der Situation zwischen den beiden Frauen und der Tochter, die eine Rückkehr der Mutter verhindern wollte, nicht mehr zurecht. Kollegen gegenüber äußerte er in den letzten Tagen immer öfter, dass er "gehen" und "Bianca mitnehmen" wolle. Die Lebensgefährtin fand Bianca tot im Kinderzimmer. Im Auto des Mannes lag ein Zettel: "Bitte verzeiht mir, ich habe meiner Frau auch verziehen."

Für den Grazer Psychiater und Rotkreuz-Experten in Sachen Krisenintervention, Günter Herzog, stellt die Gewalttat des Tankwarts einen "erweiternden Selbstmord" dar. Herzog: "Der Mann plante offenbar schon länger, sein Leben zu beenden und in diesen Situationen werden oft nahe Angehörige in den Tod mitgenommen."

Ansteigen von Jugenddepressionen

Herzog möchte aber noch auf einen weiteren Aspekt derartiger - laut Statistik häufiger auftretender Familientragödien - hinweisen: Auf die Situation der Kinder. In den letzten Jahren werde auf internationalen Psychiatrie- und Psychologiekongressen vor einem fast epidemischen Ansteigen von Jugenddepressionen gewarnt. Auch im vorliegenden Fall sei entscheidend, dass die Tochter keine Möglichkeit mehr gehabt habe, mit ihrem Vater zu kommunizieren und ebenso "hilflos und verzweifelt" geworden sei.

Weitere Tragödie

Noch während der Ermittlungen in der Südsteiermark wurde im obersteirischen Mürzzuschlag eine weitere Familientragödie bekannt. Eine verletzte Frau führte die Exekutive zu ihrem in der Wohnung liegenden, bereits verwesten Mann. Er hatte eine Schusswunde im Kopf. Die Ermittlungen ergaben kein Fremdverschulden sondern Selbstmord. Die Frau wurde ins Spital eingeliefert, die Hintergründe sind noch unklar. (mue, DER STANDARD Printausgabe 28.6.2002)

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