Russland nimmt endgültig Platz im Kreis der Sieben

27. Juni 2002, 20:09
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Die sieben führenden Industriestaaten haben Russland als vollwertiges Mitglied aufgenommen - Plan gegen Atomterror- Bedrohung

Calgary/Kananaskis - Russland soll 2006 Vollmitglied der Gruppe der acht führenden Länder dieser Welt (G-8) werden und dann erstmals den Weltwirtschaftsgipfel ausrichten. "Heute haben wir eine historische Entscheidung für die Zukunft der G-8 getroffen", hieß es in einer G-8-Erklärung am Ende des ersten Gipfeltags im kanadischen Ferienort Kananaskis in der Nacht auf Donnerstag.

Russland habe bewiesen, dass es eine wichtige und sinnvolle Rolle bei der Lösung globaler Probleme spielen könne. Zugleich bedeute die Entscheidung eine Anerkennung der wirtschaftlichen und demokratischen Umwandlung des Landes. Russland war bisher nur teilweise in Prozesse der sieben führenden Industrienationen einbezogen. Bei Beratungen über wirtschaftliche und finanzielle Fragen blieb es ausgespart.

Besondere Genugtuung dürfte die Aufnahme Russlands beim deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder auslösen, der sich seit langem für einen solchen Schritt ausgesprochen hatte. Die Entscheidung sei ein wichtiges Glied in der deutschen Außenpolitik, hieß es in deutschen Delegationskreisen. Der deutsche Gipfelbeauftragte Alfred Tacke sagte, in der "sehr intensiven Diskussion" hätten sich besonders Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac für Russland stark gemacht. Russland werde 2006 anstelle Deutschlands den Gipfel ausrichten - Deutschland folge 2007.

20 Milliarden für Plutonium-Deal

Zur sicheren Entsorgung seiner Atomwaffen-Überreste kann Russland zudem auf eine Milliardenfinanzspritze der sieben wichtigsten Industriestaaten hoffen. Es bestehe Einigkeit, dass etwas getan werden müsse, meinte Tacke. Dafür sollten innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu 20 Milliarden Dollar (20,1 Mrd. Euro) zur Verfügung gestellt werden. Im Gespräch bei den Verhandlungen über das Programm auf dem Weltwirtschaftsgipfel waren laut Tacke zehn Milliarden Dollar von den USA sowie weitere zehn Milliarden von den anderen G-7-Staaten. Deutschland hat bereits zugesagt, bis zu 1,5 Milliarden Dollar aufzubringen. Mit dem Geld soll verhindert werden, dass Plutonium aus russischen Atomwaffen in andere Länder gelangt. Gleiches gilt für die Überreste chemischer Waffen. Das Programm ist Teil der Anstrengungen der G-7-Staaten, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern.

Eine günstige Einschätzung gaben die Staats- und Regierungschefs zur Entwicklung der Weltwirtschaft ab. "Alle stimmen darin überein, dass die Situation 2002 besser ist als 2001 und dass sie sich 2003 weiter verbessern wird", sagte der Gastgeber des Treffens, Kanadas Regierungschef Jean Chrétien. Dies gelte trotz der Vertrauensverluste, die durch Bilanzfälschungen bei US-Firmen entstanden seien.

Maßnahmen für den Flug- und Schiffsverkehr

Zur Verhinderung von Attentaten auf den internationalen Verkehr vereinbarten die G-8-Staaten eine Reihe von Sicherheitsmaß-

nahmen für den Flug- und Schiffsverkehr. So soll es bis 2005 gemeinsame Normen für elektronische Zollerklärungen beim Transport von Containern geben. Durch Mindestnormen für Reisedokumente und verstärkte Cockpit-Türen in Flugzeugen wollen die G-8-Staaten die Verkehrssicherheit weltweit verbessern. Der Gipfel, der weiter von Protesten im hundert Kilometer entfernten Calgary begleitet war, soll in der Nacht zu Freitag enden. Der deutsche Kanzler Schröder will dann zusammen mit dem japanischen Premier Junichiro Koizumi zum Endspiel der Fussball-WM nach Yokohama fliegen. (Reuters, dpa)
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