Slowakei: Rückgang der Autodiebstähle

28. Juni 2002, 14:00
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Polizei zerschlug fünf Großbanden - „Hitliste“: Skoda vor Mercedes und Ford

Bratislava/Wien - Die slowakische Polizei hat in den vergangenen Monaten fünf große Verbrecherbanden zerschlagen. Diese hätten bereits „die Slowakei unter sich aufgeteilt“ gehabt, sagte Polizeivizepräsident Jaroslav Spisiak am Mittwoch in Bratislava (Preßburg) zu österreichischen Journalisten. Der Polizeierfolg habe zu einem deutlichen Rückgang der Autodiebstähle geführt.

155 Personen in Haft

Von den fünf Gruppen sind laut Spisiak die Bosse und andere Angehörige der Führungsebenen, insgesamt 155 Personen, in Haft und angeklagt. Gegen eine sechste Gruppe, die von Ukrainern geführt werde, gebe es Teilerfolge. Sechs führende Leute seien in Haft. „Hauptgeschäftsfeld“ der Ukrainer: Ölschmuggel. Personen russischer Herkunft spielten in der slowakischen Unterwelt keine führende Rolle. Einschließlich Untergruppen seien heuer bereits 29 kriminelle Banden zerschlagen worden.

Menschenhandel, Erpressung, Kfz-Diebstahl

Die fünf Großgruppen waren nach den Ermittlungen in folgenden Bereichen tätig: Menschenhandel (slowakische Frauen wurden nach Spanien gebracht und dort zur Prostitution gezwungen); „Schutzgeld“-Erpressung; Schmuggel von Öl und anderem; Drogen- und Waffenhandel; „Eingriffe“ in die Staatsverwaltung, also Bestechung von Beamten; Kfz-Diebstahl.

Organisierter Autodiebstahl wurde von den ausgehobenen slowakischen Banden laut Spisiak auch in Österreich betrieben. Die gestohlenen Fahrzeuge seien dann in der Slowakei „legal“ in Umlauf gebracht worden. Hauptabnehmer für die von den Gruppen in der Slowakei gestohlenen Autos seien Rumänien und die Ukraine, aber auch nordafrikanische Länder gewesen.

Slowakei bisher knapp über tausend Autos gestohlen

Die Hitliste der in der Slowakei gestohlenen Pkw wird klar von den Skoda-Modellen Felicia und Octavia angeführt. Danach folgen Typen der Marken Mercedes und Ford. Allein auf die genannten drei Marken entfiel im Vorjahr mehr als die Hälfte der rund 5300 gestohlenen Pkw. Das relativiert etwas die gängige Version, wonach VW Golf und diverse Audi-Modelle zu den begehrtesten Objekten der „Autobeschaffer“ zählen.

Heuer wurden in der Slowakei bisher knapp über tausend Autos gestohlen, was auf einen deutlichen Rückgang schließen lässt. Seit dem Spitzenjahr 1993, als fast 10.000 Pkw illegal den Besitzer wech selten, geht die Zahl der Diebstähle (bei einem „Zwischenhoch“ 1999) laufend zurück. Nur rund ein Fünftel der Fälle wird aufgeklärt.

Auch generell weise die Kriminalität in der Slowakei sinkende Tendenz auf, sagte Jaroslav Pavlov, Leiter des Büros für internationale Polizei zusammenarbeit. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Verbrechensrate „norma les europäisches Niveau“ erreicht haben werde. Im Drogenhandel sei die Slowakei inzwischen vom Transit- zum Abnehmerland geworden. (Josef Kirchengast; DER STANDARD Print-Ausgabe 28.6.2002)

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