"Interviewverbot" für "Falter"-Redakteur Klenk

27. Juni 2002, 15:58
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Beschwerde gegen Böhmdorfer bei letzter Sitzung am Freitag Tagesordnungspunkt - Ab Juli Verleger nicht mehr an Bord - Appell der Concordia

Zu seiner letzten Sitzung in der derzeitigen Konstruktion tritt der Österreichische Presserat am Freitag zusammen: Ab 1. Juli ist der Verband Österreichischer Zeitungen endgültig nicht mehr an Bord des Gremiums zur freiwilligen Selbstkontrolle der heimischen Presse. Auf der Tagesordnung steht die Beschwerde des "Falter"-Redakteurs Florian Klenk gegen Justizminister Dieter Böhmdorfer (F).

Klenk sieht sich von Böhmdorfer mit einem "Interviewverbot" mit an sich gesprächswilligen Beamten "bestraft", wie es in seiner im Mai eingelegten Beschwerde an den Presserat heißt. Böhmdorfers Pressesprecher Gerald Waitz hatte dies damals zurückgewiesen. Der Presserat entscheid, die Beschwerde aufzugreifen. Im Ehrenkodex der Österreichischen Presse, wesentliche Entscheidungsgrundlage für den Presserat, wird festgehalten: "Die Freiheit in Berichterstattung und Kommentar, in Wort und Bild ist integrierender Bestandteil der Pressefreiheit. Das Sammeln und Verbreiten von Nachrichten und Kommentaren darf nicht behindert werden."

Gütlich beigelegt werden konnte indes wahrscheinlich eine weitere Beschwerde, nämlich der freiheitlichen EU-Abgeordneten Daniela Raschhofer gegen "Format": Sie hatte sich über eine Fotomontage im Nachrichtenmagazin empört, die sie mit einem Bund Spargel in der Körpermitte abgebildet hatte. Dies war nach Raschhofers Ansicht eine sexistische Darstellung.

"Format" hat mittlerweile eine Entschuldigung abgedruckt: "Der Bericht wurde mit einer nicht gekennzeichneten Fotomontage bebildert, die Frau Raschhofer mit einem Bund Spargel in der Hand zeigte. (...) Eine diskriminierende Darstellung lag nicht in unserer Absicht. Sollte dieser Eindruck dennoch entstanden sein, bitten wir Frau Raschhofer in aller Form um Entschuldigung", heißt es in der Ausgabe vom 21. Juni. Raschhofer habe angekündigt, ihre Beschwerde zurückzuziehen, sollte eine Entschuldigung veröffentlicht werden, sagte dazu Paul Vecsei, Mitglied des Presserats-Präsidiums, auf APA-Anfrage.

Wie es mit dem Presserat nach dem 30. Juni weitergeht, ist noch nicht klar. Die Gewerkschaft hat angekündigt, man bemühe sich um eine Fortsetzung der Arbeit. Für den VÖZ wäre dies hingegen "weder legal noch legitim". Die von den einzelnen Trägerverbänden entsandten Mitglieder sind aber grundsätzlich weisungsfrei.

Der neu gewählte Vorstand des Presseclub Concordia appellierte indes am Donnerstag in seiner konstituierenden Sitzung einstimmig an die anderen Trägerorganisationen des Presserates (Verband Österreichischer Zeitungen, Journalistengewerkschaft und Zeitschriftenverband), "alle Anstrengungen zu unternehmen das Weiterbestehen des Österreichischen Presserates möglichst rasch sicherzustellen". Die Concordia betrachte journalistische Selbstkontrolle als unerlässlich und "jeden Zugriff von außen als demokratiepolitisch gefährlich", heißt es in einer vom Vorstand gefassten Resolution.

Der Vorstand des Presseclub Concordia hat Donnerstag das Präsidium der Journalistenvereinigung neu gewählt und Peter Bochskanl als Präsident bestätigt, ebenso Thomas Chorherr, Elisabeth Horvath und Josef Riedler als Vizepräsidenten, so die Concordia in einer Aussendung. (APA)

Nachlese

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Spricht sich in SN gegen "von Politik verordneten Ethikrat" aus

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