Ausgleich ist eröffnet

28. Juni 2002, 20:34
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Gläubigerbeirat tagt am Montag - Aktienkurs bricht um 67 Prozent ein

Wien - Das nach der Libro-Pleite zweitgrößte Insolvenzverfahren im Jahr 2002 ist nun offiziell. Wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) mitteilte, hat das Handelsgericht Wien am Freitag das Ausgleichsverfahren über das Vermögen des Wiener Telefonanbieters CyberTron eröffnet. CyberTron gibt laut KSV Schulden von 60,8 Mill. Euro an. An der Wiener Börse soll die CyberTron-Aktie heute ab 15 Uhr wieder gehandelt werden.

Von der Insolvenz sind 460 Gläubiger und 107 Mitarbeiter betroffen. Weiterhin unklar ist derzeit, wie viele Arbeitsplätze gefährdet sind, teilte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit. Wie berichtet ist das Frühwarnsystem - vorsorgliche Kündigungsanmeldungen beim AMS - bereits aktiviert worden. Bei CyberTron war bisher niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

CyberTron bietet 40 Prozent an

Zum Ausgleichsverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Peter Schulyok bestellt, gaben KSV und AKV bekannt. Gläubigerforderungen sind bis 30. Juli anzumelden. Die Ausgleichstagsatzung findet am 13. August 2002 (10 Uhr) statt.

CyberTron bietet den Gläubigern die gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Ausgleichs. Sowohl der KSV als auch der AKV erklärten dazu, für eine "realistische Verbesserung" des Anbots einzutreten. Laut Insolvenzstatus betragen die Aktiva 35,7 Mill. Euro. Gegengerechnet mit den Passiva ergibt sich somit eine Überschuldung von 25,1 Mill. Euro.

Geschäftsbetrieb soll weitergeführt werden

Der Geschäftsbetrieb von CyberTron soll weitergeführt werden. Laut KSV plant das Unternehmen eine tief greifende Sanierung. Einzelne Teilbereiche sollen dabei eingeschränkt beziehungsweise still gelegt werden.

Zur Unterstützung von Ausgleichsverwalter Schulyok wurde ein aus fünf Mitgliedern bestehender Gläubigerbeirat bestellt, dem unter anderen auch der KSV und der AKV angehören. Die erste Sitzung soll bereits kommenden Montag um 9 Uhr stattfinden.

Aktienkurs bricht um 67 Prozent ein

Die Aktie des insolventen Wiener Telekombetreibers CyberTron ist am Freitag - nach Wiederaufnahme des Handels um 15 Uhr - um fast 67 Prozent auf 10 Cent abgestürzt. Wie berichtet hat das Handelsgericht Wien heute das Ausgleichsverfahren über das Vermögen des mit 60,8 Mill. Euro hoch verschuldeten Unternehmens eröffnet. Die Aktie war zuvor vom Handel bis auf weiteres ausgesetzt gewesen.

Vor der Handelsaussetzung Donnerstagnachmittag notierte der bereits seit Tagen massiv unter Druck stehende Titel bei 30 Cent.

"Liebling der Börsianer"

An der Wiener Börse gelistet ist CyberTron seit 1. Dezember 1999. Mit der jetzigen Insolvenz haben Anleger, die ihr Geld in die zu 11 Euro emittierte Telekomaktie investierten, seit dem Börsengang gut 99 Prozent und damit so gut wie alles verloren.

Während des Technologiebooms an den internationalen Märkten galt CyberTron als "Liebling der Börsianer". Bis März 2000 war der Aktienkurs wie ein Komet in die Höhe geschossen, sein Allzeithoch markierte der Titel bei 104,66 Euro. Mit dem internationalen Abwärtstrend der Hightech-Werte stürzten auch CyberTron mit in die Tiefe. Per Jänner 2002 wurde die Aktie aus dem Wiener Leitindex ATX gestrichen.(APA)

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