Strengere Regeln in Österreich

27. Juni 2002, 14:53
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Wirtschaftsprüfer: Fall WorldCom in Österreich unwahrscheinlich aber nicht auszuschließen

Wien - WorldCom, Dynegy, Global Crossing, Enron, Tyco - die Liste jener Unternehmen, denen unsaubere Bilanztricks vorgeworfen oder bereits nachgewiesen wurden, wird immer länger. Grundsätzlich seien solche Manipulationen auch in Österreich nicht ganz auszuschließen, sagte der Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, am Donnerstag im ORF-Radio. Das ist freilich nicht besonders wahrscheinlich: Die gesetzlichen Vorschriften seien in Österreich strenger als in den USA, unterstreicht Hübner.

In Österreich und in ganz Europa habe es noch keinen Fall der Marke WorldCom gegeben, was laut Hübner auch mit dem anderen Bilanzierungsverfahren zu tun hat: Steht bei einem Abschluss gemäß dem heimischen Handelsgesetzbuch der Gläubigerschutz und die kaufmännische Vorsicht im Vordergrund, so legt US-GAAP mehr Wert auf die Darstellung der Gewinne. Unternehmen in den USA können sich damit reicher darstellen, als sie tatsächlich sind, sagte Hübner.

Von Täuschungen nicht gefeit

Besonders problematisch sei es, wenn wie im Fall Enron die Wirtschaftsprüfer selbst an der Fälschung beteiligt seien. Doch selbst ein gewissenhafter Prüfer sei vor Täuschungen nicht gefeit, wenn er falsch informiert werde, sagte Hübner, der eine eigene Wirtschaftsprüferkanzlei betreibt.

Sowohl der Energieriese Enron als auch WorldCom wurden übrigens vom Buchprüfer Arthur Andersen betreut, der mittlerweile selbst in Konkurs gegangen ist.

Haftung deutlich erhöht

Nicht sorgfältige oder fahrlässige Prüfungen - wenn etwa eine offensichtliche Überschuldung eines Unternehmens nicht erkannt wird - können heimische Wirtschaftsprüfer seit Jahresbeginn teuer kommen. Anfang Jänner wurde nämlich die Haftung für Wirtschaftsprüfer deutlich erhöht. Bei börsenotierten Unternehmen haftet der Prüfer jetzt mit bis zu 20 Mill. Euro für die Richtigkeit der Bilanz.

Bisher gab es laut Hübner in Österreich erst zwei Gerichtsverfahren, in denen diese Haftung der Wirtschaftsprüfer schlagend wurde: Das eine betraf den Konkurs der Riegerbank, das zweite den Zusammenbruch der Bank für Handel und Industrie (BHI). (APA)

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