Mangelnde Bildung und Infektionskrankheiten sind Ursachen der Armut

27. Juni 2002, 14:42
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Weltweit können 876 Millionen Menschen im Alter über 15 Jahren nicht lesen

Hamburg - Bildungsmangel und Infektionskrankheiten sind nach Expertenmeinung zwei Hauptgründe für die Armut in der Dritten Welt. "Eine Grundausbildung ist der Sockel für die Entwicklung eines Landes und damit für seine Wirtschaft und seinen Wohlstand", sagt Herbert Bergmann von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). "Wer nicht lesen und schreiben kann, wird übers Ohr gehauen, kann weder einen Computer bedienen noch einen Kleinbetrieb aufbauen", ergänzt der GTZ-Bildungsexperte.

Weltweit können 876 Millionen Menschen im Alter über 15 Jahren nicht lesen, stellte die UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) fest. 120 Millionen Kinder im Grundschulalter, davon etwa 60 Prozent Mädchen, bekommen keinen Unterricht, berichtet das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF. Im südlichen Afrika sind das etwa 40 Prozent.

"Die Hauptverantwortung für die Bildungsmisere tragen die Entwicklungsländer selbst, sie definieren ihre Politik und gestalten ihre Haushalte", sagt Bergmann dazu. Andererseits hätten es die Industrieländer über Jahre versäumt, ihre Entwicklungshilfe an der richtigen Stelle zu investieren. "Der Grundschulbereich hatte nie Prestige, deswegen flossen die Gelder vor allem in die Förderung von Hochschul- und Berufsbildung". Als weitere Ursache für die Bildungsmisere in der Dritten Welt nannte er zu hohe Militärausgabe, Investitionen in prestigeträchtige Projekte wie Staudämme oder übergroße Krankenhäuser und Korruption.

Bildung und damit Aufklärung sind zudem wirksame Mittel im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Weltweit sterben jährlich etwa sechs Millionen Menschen an Aids, Tuberkulose und Malaria. Vor allem in Staaten südlich der Sahara machen sie die Menschen arbeitsunfähig und belasten ihre Familien mit hohen Kosten für Pflege und Medikamente. Wirtschaft und damit Wohlstandschancen leiden darunter.

AIDS: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben 40 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus, davon 28,1 Millionen im südlichen Afrika. Dort sind im vergangenen Jahr 2,3 Millionen an AIDS gestorben, weltweit waren es drei Millionen. Experten rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um mehr als 20 Prozent in den am stärksten betroffenen Ländern bis zum Jahr 2020.

TUBERKULOSE: Daran sind nach WHO-Schätzungen 35 Prozent der Bevölkerung in Afrika erkrankt. Weltweit gelten 8,7 Millionen Menschen infiziert. Weltweit sterben an der Krankheit schätzungsweise jährlich 3 Millionen Menschen, davon 2,3 Millionen im südlichen Afrika.

MALARIA: 90 Prozent aller Malaria-Fälle treten in Afrika auf, wo laut WHO alle 30 Sekunden ein Kind an dieser von Mücken übertragenen Krankheit stirbt. Weltweit sind es täglich 2000. Wirtschaftsfachleute berechneten, dass Malaria jährlich das Wirtschaftswachstum in einigen afrikanischen Ländern um 1,3 Prozent schmälert.(APA/dpa)

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