Grasser greift doch nicht in ÖIAG-Kassa

29. Juni 2002, 14:42
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Drei neue Aufsichtsräte für die Staatsholding

Wien - Der Griff in ihre mit 340 Millionen Euro gefüllte Kassa ist der Staatsholding ÖIAG am Freitag doch erspart geblieben. Denn Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe von seinem ursprünglichen Plan, den Bilanzgewinn der Verstaatlichtenholding zumindest teilweise abzuschöpfen, doch Abstand genommen, hieß es nach der ÖIAG-Hauptversammlung am Freitag in Aufsichtsratskreisen.

Die 340 Mio. € bleiben, wie von der ÖIAG-Führung unter Alfred Heinzel geplant, als Gewinnvortrag in der ÖIAG. Der Schuldenstand der Beteiligungsholding von Post, Telekom, Voest, OMV und Böhler-Uddeholm beläuft sich damit per Jahresende auf rund 2,7 Mrd. €, davon sind rund zwei Mrd. € "Altschulden" aus der Monopolzeit von Post und Telekom Austria, für die der Bund haftet.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe am Freitag erneut bekräftigt, es sei seine volle innere Überzeugung, dass es die ÖIAG spätestens 2007 nicht mehr geben sollte. Man könne also davon ausgehen, dass der Ausverkauf von Staatsbeteiligungen weiter gehe, sagten Aufsichtsratsmitglieder nach der Sitzung. In dieser Legislaturperiode steht laut Regierungsübereinkommen nur mehr die weitere Privatisierung der Telekom Austria an, an der die ÖIAG noch 47,2 Prozent hält. 23 Prozent der Telekom befinden sich im Streubesitz.

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Diesem Ziel wird sich die ÖIAG mit einem runderneuerten Aufsichtsrat nähern: "Fruchtsaftkönig" Franz Rauch und der Industrielle Cornelius Grupp schieden am Freitag gemäß Rotationsprinzip, Paul Tanos, ehemals Wienerberger-Vorstand, überraschend "aus persönlichen Gründen" aus dem ÖIAG-Kontrollgremium aus.

Neu gewählt wurden die Palmers-Managerin Astrid Gilhofer (39), der Bierbrauer Karl Büche (BBAG) und Magna Steyr-Chef Siegfried Wolf (statt Tanos). Über Wolf war seit Monaten heftig spekuliert worden, er sprang dem Vernehmen nach kurzfristig für den überraschend ausscheidenden Tanos ein.

Damit zeichnet sich auch die am Dienstag stattfindende Personalrochade im Voest- Aufsichtsrat ab: Andritz-Chef Wolfgang Leitner wird statt des auf eigenen Wunsch ausscheidenden VA Tech-Generals Erich Becker die Voest kontrollieren und Neo-ÖIAG- Vorstand Rainer Wieltsch seinen Vorgänger Johannes Ditz ersetzen. Den ein Kapitalvertreter-Mandat ausübenden Metallgewerkschafter Karl Haas soll dem Vernehmen nach Cornelius Grupp ersetzen. Diesem wird allerdings Unvereinbarkeit vorgeworfen, Grupp habe persönliche Interessen an den Bahnsystemen. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2002)

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