Tschechien: CT-Mitarbeiter wurden überwacht

27. Juni 2002, 14:14
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Anlagen wurden zufällig bei Renovierungsarbeiten entdeckt

Ein Skandal erschüttert das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen (CT). Mitarbeiter des Senders wurden in einzelnen Räumen durch geheime Kameras und Mikrofone überwacht. Nach Berichten tschechischer Tageszeitung von Donnerstag wurden die Anlagen zufällig bei Renovierungsarbeiten entdeckt, die nach heftigen Regenfällen notwendig geworden waren.

CT-Direktor Jiri Balvin bestätigte die Existenz der geheimen Kameras, nicht aber der Mikrofone. Er rechtfertigte die Verwendung von versteckten Überwachungskameras damit, dass einige CT-Mitarbeiter die technischen Anlagen des Senders illegal für private Geschäfte verwendet hätten. Mit der Überwachung wollte ihnen die Direktion auf die Spur kommen. Nach Angaben von Balvin sei dem Sender durch illegale Tätigkeiten seiner Mitarbeiter ein Schaden in der Höhen von "Dutzenden Millionen" entstanden.

Die Gewerkschaft protestierte scharf gegen diese Praktiken und warf der CT-Führung einen unzulässigen Eingriff in das Privatleben der Mitarbeiter vor. "Dies erinnert an die Spionagetätigkeit der Staatssicherheit im früheren Regime", betonte Redakteur Adam Komers, eine Schlüsselfigur des Aufstandes der CT-Mitarbeiter gegen die Führung des Senders Anfang 2001. Man habe nichts gegen die Suche nach Mitarbeitern, die illegalen Nebengeschäften nachgehen, allerdings sei der Einsatz versteckter Kameras völlig inakzeptabel, erklärte der Chef der CT-Gewerkschaften, Antonin Dekoj.

Juristen meinten, dass die CT-Führung mit ihrer Vorgangsweise höchstwahrscheinlich gegen kein geltendes Gesetz verstoßen habe, allerdings sei die Installierung von geheimen Kameras aus ethischer Sicht völlig unannehmbar. "Es ist völlig unethisch, aber höchstwahrscheinlich nicht gesetzwidrig", meinte die Juristin Zuzana Seidlova vom Prager Anwaltsbüro "Belina-Kriz". Auf jeden Fall müssten die Aufnahmen vor eventuellem Missbrauch geschützt und vernichtet werden, fügte sie hinzu.

Vorerst nicht bekannt war, wie lange die versteckten Kameras in den Zimmerdecken bereits im Einsatz gewesen sind. Balvin räumte nur ein, dass es bisher nicht gelungen sei, die gesuchten Mitarbeiter auszuforschen. Mit dem Skandal befasst sich nun die Polizei. (APA)

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