OSZE fordert von Berlusconi Klarstellung zur Absetzung von TV-Sendung

27. Juni 2002, 14:13
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Medienbeauftragter Duve schreibt an italienischen Premier

Wien - Der Medienbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Freimut Duve, hat von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine Klarstellung wegen der jüngst erfolgten Absetzung zweier politischer Fernsehsendungen in der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RAI gefordert.

"Einige Stimmen in Italien, darunter auch von italienischen Journalisten, haben die Absetzung der Sendungen als 'politischen Schritt' bezeichnet, zumal sie den beiden verantwortlichen Journalisten vorgeworfen haben, das öffentliche Fernsehen in 'krimineller Weise' zu missbrauchen", schrieb Duve in seinem Brief laut einer OSZE-Aussendung vom Donnerstag.

Jounalisten kritisierten wiederholt Berlusconi

Bei den betroffenen Sendungen handelt es sich um "Sciuscia" von Michele Santoro und "Il Fatto" von Enzo Biagi. Italiens Opposition und die Journalistengewerkschaft hatten bereits am Wochenende scharfe Kritik geäußert, dass zwei populäre Kommentatoren, die wiederholt Kritik an Berlusconi geübt hatten, aus dem RAI-Programm gestrichen wurden. Der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, Paolo Serventi, sprach von einem "gefährlichen Präzedenzfall". Die RAI-Direktion begründete die Absetzung der Talkshows mit "schlechten Zuschauerquoten".

Der 65-jährige Regierungschef und Medienmagnat Berlusconi kontrolliert über die Holding Fininvest drei TV-Sendergruppen, das führende italienische Wochenmagazin "Panorama" und die Zeitung "Il Giornale". Hinzu kommen 48 Prozent des TV-Konzerns Mediaset, fast 38 Prozent des Finanzdienstleisters Mediolanum und 41 Prozent des Verlagshauses Mondadori. Den neuen Aufsichtsrat des öffentlich-rechtlichen Senders RAI besetzte er Mitte Februar mit fünf Kandidaten aus seinem rechten politischen Lager.(APA)

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