Dreizehn Milliarden Schilling fehlen noch

28. Juni 2002, 10:26
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OeNB zieht Halbjahresbilanz: Nur langsame Gewöhnung an die neue Währung

Wien - Knapp nach der Euro-Einführung sind die Österreicher noch davon ausgegangen, dass sie in wenigen Wochen ein gutes Euro-Wertverständnis entwickeln werden. Im April hat sich dieser Zeitraum schon auf ein Jahr verlängert. Laut Karl Kollmann, dem Leiter Arbeitsgruppe Verbraucherforschung, die im Auftrag der OeNB die Euro-Einführung begleitet, wird es tatsächlich noch einige Zeit dafür dauern. Das sei auch zu erwarten gewesen und brauche niemanden zu beunruhigen. Ähnliche Erfahrungen seien auch in Großbritannien anlässlich der Pfund-Dezimalisierung gemacht worden.

Bei kleinen und mittleren Eurobeträgen hat sich das Wertverständnis für den Euro bereits gut entwickelt, sagte Kollmann. Das gelte etwa für tägliche Verbrauchsgüter wie Milch. Zehn Prozent der Österreicher hätten aber auch bei kleinen Beträgen noch immer Probleme. Hilfsmittel zur Umrechnung würden nur mehr ganz sporadisch benutzt werden. Bei großen oder ungewöhnlichen Beträgen gebe es aber noch immer ein schlechtes Wertgefühl, so Kollmann.

Ausgesprochen gut werden laut Begleituntersuchung die Zwei-Euro-Münzen akzeptiert. Zwei Drittel bis drei Viertel hätten keine Probleme damit. Dagegen gebe es noch Probleme mit den kleinen Cent-Münzen. Deren Werte seien noch nicht gut verankert. Das zeigt sich auch in der Statistik der OeNB: Während sich vom 5-Euro-Schein 32 Mill. Stück in Umlauf befinden, sind es bei den 2-Euro-Münzen 86 Mill. Stück.

Dreizehn Milliarden Schilling fehlen

Knapp ein halbes Jahr nach der Einführung des Euro als Bargeld mit Jahresbeginn 2002 sind in Österreich von den 200 Mrd. Schilling, die sich zuvor in Umlauf befanden, 13 Mrd. S (945 Mill. Euro) noch immer nicht zurückgeflossen. 6 Mrd. davon entfallen auf Banknoten, die bis zur Umstellung noch gültige Zahlungsmittel waren, 3 Mrd. auf Münzen und 4 Mrd. auf bereits ungültige, aufgerufene Banknoten. Allein 4 Mrd. S entfallen auf 1.000er. Der Schilling-Rückfluss macht bei den Banknoten 97 Prozent und bei den Münzen rund 50 Prozent aus, teilte der für die Euro-Umstellung zuständige Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek, am Donnerstag in Wien mit.

Laut OeNB-Direktor Alfred Scherz, für die Logistik der Euro-Umstellung verantwortlich, befinden sich rund ein halbes Jahr nach der Euro-Bargeldeinführung in Österreich rund 240 Mill. Stück Euro-Banknoten in Umlauf und damit deutlich weniger als die mehr als 400 Mill. Stück Schilling-Noten. Stark unterrepräsentiert in den Geldbörsen der Österreicher sind dabei die 50 und 20 Euro-Scheine. Auf sie entfallen nur 4 bzw. 25 Mill. Stück. Um hier ein ausgewogenes Bild zu erreichen, appelliert die OeNB an die Banken, die Bankomatkassen auch mit anderen Denominationen zu füllen.

Euro-Tour

Um den Schilling-Rückfluss noch zu verbessern startet die OeNB in den Sommermonaten beginnend mit 1. Juli die Aktion "Euro-Tour". Der OeNB-Bus wird bei der bis 10. Oktober dauernden Aktion durch ganz Österreich fahren und in 80 Städte und Gemeinden Halt machen, um den Bürgern Gelegenheit zum Schilling-Umtausch anzubieten. Um 1 Mrd. S will die Nationalbank mit dieser Aktion bis Jahresende den Rückfluss verbessern. Die nicht zurückkehrenden Schillingbestände kann die OeNB als außerordentliche Erträge verbuchen und fließen somit in die Gewinnverteilung ein, an der die Republik laut Duchatczek zu 92 Prozent beteiligt ist. Ein gewisser Teil werde nie zurückkommen und verloren bleiben. (APA)

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