Gewaltopfer melden sich vermehrt

28. Juni 2002, 18:32
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Oberösterreich: Regionalisierung in der Arbeit gegen Gewalt zahlt sich aus

Linz - Gewalt gegen Frauen und in der Familie ist Realität. Das Bundesministerium für Inneres fördert seit April 2001 ein Pilotprojekt der Interventionsstelle Linz, mit dem ein erster Schritt zur Regionalisierung gesetzt wurde und schwerpunktmäßig ambulante Betreuung und Vernetzung in der Region Mühlviertel ermöglicht.

Dass die Regionalisierung sich lohnt, betont die Interventionsstelle anlässlich der Eröffnung der neuen Räume der Außenstelle Freistadt in einer Aussendung. Die Fallzahlen haben sich verdoppelt. Deutlich mehr Gewaltopfer finden den Weg zur Interventionsstelle, nachdem das Angebot der Beratung und Unterstützung im Wege der Gemeinden, Pfarren, Arztpraxen u.a. pu-blik gemacht wurde. Auch gelangen doppelt so viele Faxmitteilungen der Gendarmerie aus der Region an die Interventionsstelle.

Vernetzung

Bei regelmäßigen Treffen der mit familiärer Gewalt befassten Einrichtungen in den Mühlviertler Bezirken wird die Problematik von allen Seiten beleuchtet und diskutiert. An diesen Arbeitskreisen nehmen VertreterInnen der Gendarmerie, die als KontaktbeamtInnen bei Gewalt in der Familie fungieren, sowie VertreterInnen der Justiz, der Jugendwohlfahrtsbehörde und der psychosozialen Beratungseinrichtungen teil. Die Arbeitskreise werden von den TeilnehmerInnen sehr geschätzt und finden Niederschlag in den Zuweisungen von Betroffenen wie auch in einer gedeihlichen Zusammenarbeit.

Hintergrund

Die Interventionsstelle Linz hilft seit 1998 Opfern von Gewalt in der Familie – über 90 Prozent Frauen und Kinder – vor allem nach Einschreiten der Polizei oder Gendarmerie. Bei Gewaltausübung kann ein Angehöriger aus der Wohnung weggewiesen und ein Betretungsverbot ausgesprochen werden.

Seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Mai 1997 wurden in Oberösterreich bislang über 1000 Wegweisungen und Betretungsverbote durch Polizei und Gendarmerie verhängt. Diese werden der Interventionsstelle per Faxmitteilung bekannt gegeben und Mitarbeiterinnen nehmen anschließend mit den Betroffenen Kontakt auf. In einem telefonischen oder persönlichen Erstgespräch werden die aktuelle Situation erfasst und weitere Schritte erörtert. Innerhalb von zehn Tagen kann ein Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung beim zuständigen Bezirksgericht das polizeiliche Betretungsverbot auf 20 Tage verlängern. Eine einstweilige Verfügung kann auch ohne Betretungsverbot beantragt werden. Sie kann für die Dauer von bis zu drei Monaten oder bis zum Ende eines Scheidungsverfahrens erlassen werden. Die Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle – Juristinnen, diplomierte Sozialarbeiterinnen, Psychologin – bieten rechtliche und psychosoziale Beratung an, helfen beim Verfassen von Anträgen und begleiten Frauen als Vertrauenspersonen zu gerichtlichen Verhandlungen in familien- und strafrechtlichen Belangen. Die Aufgabe der Interventionsstelle ist es, Opfer von Gewalt in der häuslichen Sphäre zu unterstützen mit dem Ziel, ihre Sicherheit zu erhöhen.

Zusammenarbeit

Weiters hat die Interventionsstelle die Aufgabe, kontinuierliche Kommunikation und Zusam-menarbeit mit allen beteiligten Behörden und Institutionen sowie den laufenden Ausbau der Ko-operationsbasis zu betreiben. Es soll damit die Effizienz der Interventionen zum Schutz Gewaltbetroffener gesteigert werden. In interdisziplinären Arbeitskreisen von Exekutive, Gericht, Frauenberatungsstellen u.a. werden das Thema Gewalt in der Familie diskutiert und Überlegungen zur Gewaltprävention angestellt. Ansprechpersonen - Telefonnummern

Seit Mai 2001 wurden in der Frauenberatungsstelle BABSI Freistadt, Schmiedgasse 25/2/18, 4240 Freistadt zweimal wöchentlich Sprechstunden abgehalten. Zwei Mitarbeiterinnen der Inerventionsstelle, die Diplomierte Sozialarbeiterin Margit Hellwagner und die Juristin Maga Katharina Mayr bieten – nunmehr in den neuen Räumlichkeiten in Ledererstraße 5, 4240 Freistadt, - Dienstag von 9-12 und Freitag von 8-11 Uhr von Gewalt Betroffenen Beratung und Unterstützung an. Sie sind dort unter der Tel.Nr. 07942/72140 erreichbar, ansonsten über die Interventionsstelle Linz, Tel.Nr. 0732/607760. In begründeten Fällen können Frauen auch vor Ort beraten werden.

Seit Jänner 2002 werden auch in Rohrbach einmal monatlich Sprechstunden abgehalten. Die beiden Mitarbeiterinnen stehen jeden ersten Mittwoch im Monat von 15-18 Uhr im Frauentreff Rohrbach, Stadtplatz 16, 4150 Rohrbach für Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Telefonische Voranmeldung unter der Telefonnummer des Frauentreffs Rohrbach 07289/6655, ansonsten über die Interventionsstelle Linz, Tel.-Nr. 0732/607760. (red)

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