Britischer Vize-Premier tritt nach 47 Jahren aus Gewerkschaft aus

27. Juni 2002, 12:10
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RMT-Gewerkschaft verlangte von John Prescott Wiederverstaatlichung der Eisenbahn

London - Der britische Vizepremierminister John Prescott (64), ein führender Vertreter der Gewerkschaften in der Regierung von Tony Blair, ist nach 47 Jahren aus seiner Gewerkschaft ausgetreten. Prescott begründete seinen Schritt mit der Forderung der RMT-Gewerkschaft, dass er als Unterhausabgeordneter im Sinne der Gewerkschaftspolitik für eine Wiederverstaatlichung der Eisenbahn eintreten wolle, berichteten britische Zeitungen am Donnerstag.

"Nach fast 50 Jahren als Gewerkschaftsmitglied ist dies ein trauriger Tag für mich. Aber meine Gewerkschaft kann mir nicht vorschreiben, wie ich abstimme", begründete Prescott seine Entscheidung. Die Gewerkschaft hatte außerdem verlangt, er solle gegen eine Teilprivatisierung der Londoner U-Bahn eintreten. Prescott war der früheren Seefahrergewerkschaft als 17-Jähriger beigetreten. Der RMT-Vorsitzende Bob Crow sagte: "Wir verlieren nicht gerne Mitglieder. Aber wir wollen, dass Abgeordnete sich für unsere Politik einsetzen."

Die Entscheidung von Prescott ist nach Ansicht von Kommentatoren Ausdruck der Spannungen zwischen der Regierung von "New Labour" und der traditionellen Gewerkschaftsbewegung. "Mit dieser Art von Politik werden die historischen Bindungen zwischen den Gewerkschaften und Labour zerstört", sagte Prescott der Zeitung "Guardian". (APA/dpa)

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    John Prescott

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