US-Börsenaufsicht verklagt WorldCom wegen Betruges

27. Juni 2002, 11:43
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Spitzenmanager müssen künftig alle Finanzberichte schriftlich abzeichnen

Im Bilanzskandal rund um den US-Telekommunikationskonzern WorldCom wird nun die amerikanische Börsenaufsicht SEC aktiv. Die SEC hat gegen den Konzern eine Klage wegen Betruges eingereicht. Den WorldCom-Vorständen wird vorgeworfen, im Jahr 2001 und im ersten Quartal 2002 unerlaubte Bilanzierungstricks angewandt zu haben, um die Gewinne mit den Analystenprognosen in Übereinstimmung zu bringen, teilte die SEC am Mittwochabend in New York mit. Damit ist der Gewinn im Jahr 2001 um drei Milliarden Dollar (3,04 Milliarden Euro) und im ersten Quartal um 797 Millionen Dollar (809 Millionen Euro) aufgebläht worden. Auf diese Weise sollte der Aktienkurs von WorldCom gestützt werden, erläuterte die SEC.

Verpflichtung

Zudem hat die Börsenaufsicht per Anordnung die Spitzenmanager der größten börsennotierten US-Unternehmen verpflichtet, künftig alle Finanzberichte schriftlich abzuzeichnen. Das Eingeständnis des zweitgrößten US-Telekomkonzerns, die Gewinne in den vergangenen fünf Quartalen um 3,8 Milliarden Dollar (3,86 Milliarden Euro) zu hoch ausgewiesen zu haben, hatte am Mittwoch einen Kurssturz an den Weltbörsen verursacht. In ihrer Klage erwähnte die SEC keine Manager namentlich, erklärte jedoch, dass die Führungsmannschaft wusste oder gewusst haben müsste, dass die Finanzberichte falsch waren.

Selbstbezichtigung

Der derzeitige Chef von WorldCom, John Sidgmore, erklärte in einer Videokonferenz, dass die Gesellschaft selbst den Fall durch eine interne Prüfung ins Rollen und anschließend in die Öffentlichkeit gebracht habe. Derzeit verfüge WorldCom über "bedeutende Barmittel". Auch liefen in diesem Jahr keine Kredite aus, ergänzte Sidgmore. Marktbeobachter schließen jedoch, wie die Nachrichtenagentur ddp berichtet, eine Pleite des Konzern nicht aus. (pte)

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