Basilikum und Basilika

20. Juli 2005, 14:40
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Von transatlantischen Gerüchen und handgezupften Priesterkrägen. Eine kulinarische Reise durch die Emilia Romagna

Wenn Luciano Pavarotti fern seiner Heimat ein Konzert gibt, dann geht er, etwa in New York, zum Telefon, wählt die Nummer seines Küchenchefs in Modena und fleht diesen in aussichtsloser Erwartung an: "Lass mich an den Tortellini riechen!"

Der Padrone holt dann die frisch gemachte Pasta, hält sie an den Hörer, und lässt so die wunderbaren Dämpfe einmal quer über den Atlantik ziehen. Nach genussvollen Augenblicken meldet sich der Maestro am anderen Ende wieder zu Wort: "Grazie, jetzt geht es mir schon besser." Das funktioniert. Die italienische Küche produziert Gedächtnishappen, deren Gerüche und Geschmäcker sogar transatlantisch wirken.

In der Emilia Romagna etwa würde keine Trattoria, die etwas auf sich hält, industriell gefertigte Nudelwaren feilbieten. Und so sind die Strozzapreti (zu Deutsch "Priesterkragen") oder Anolini, Gramigna, Pappardelle, Cappellaci oder Nidi di Rondine jene mit Delikatessen der Region (Pilze, Kürbis, Spinat) kissenförmig gefüllten, gezackten oder gekräuselten Teigspezialitäten, deren Qualität nur vor Ort garantiert ist.

Die Standards werden streng geprüft, besonders jene der neuen Landgasthäuser, die direkt vermarkten (zum Beispiel selbst gebrannten Grappa im Süden zwischen Imola und Bologna), bzw. im Rahmen des Agriturismo die Gerichte aus selbst erzeugten Produkten in der zur Wirtsstube umgebauten Bauernstube anbieten. Manche Bestimmungen sind allerdings mehr fanatischer Ausdruck der lukullischen Wissenschaft: So hat zum Beispiel die italienische Kochakademie mit Sitz in der Hauptstadt Bologna offiziell festgelegt, dass die echte Tagliatelle in der Breite exakt ein 12270stel der Höhe dem Asinelli-Turm in Bologna entsprechen muss. Einfach gesagt: acht Millimeter.

L'Asinelli ist gemeinsam mit seinem ebenso schiefen, "kleinen Bruder" La Garisenda Überbleibsel der einmal 200 solche Geschlechtertürme umfassenden mittelalterlichen Stadtlandschaft und Wahrzeichen der roten Stadt: Bologna - La Rossa.

Unweit der Türme findet man über die schöne Einkaufsstraße Via Independenza, in deren Seitengassen gute Krimskrams- und Altwarenläden liegen, ganz leicht zu "Anna Maria": Eine nonchalante Trattoria mit erschwinglichen Preisen in der Via Belle Arti. Die stolze Chefin kocht täglich frische Pasta, und so manch geglückte Vorstellungen im nahe gelegenen Teatro Comunale ging kurzerhand auf ihre Rechnung. Luciano war auch schon da.

Auch in Ravenna steht Essen und Trinken direkt proportional zum Kunstgenuss. Zunächst ziehen in der einstigen Kapitale des weströmischen Reiches monströse Basiliken die Blicke auf sich, doch lohnt sich speziell hier auch der Besuch eines so genannten "Ca' de ven", eines Weinhauses. Diese sind den österreichischen Buschenschanken ähnliche, rustikale Gaststätten, die unter anderem vorzüglichen Lambrusco anbieten. Jene in der Via C. Ricci, unweit von Dantes Grab neben der Kirche San Francesco, sollte man allein ihrer zarten Biskuits wegen aufsuchen. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe)

Infos

Terra Reisen
TUI-Reisecenter
5024 Salzburg
Tel.: 0662/80 41-0
Fax: 0662/80 41-50

Associazione Agriturismo Emilia Romagna
V. E. Mattei 6
40121 Bologna
Tel.: 0039/ 051/- 53 73 56
Fax: - 60 14 750
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