US-Notenbank lässt Leitzinsen unverändert

26. Juni 2002, 21:46
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Risken zwischen Konjunktur und Inflation ausgewogen

Washington - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch wie erwartet die Leitzinsen unverändert auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren gelassen. Wie bereits nach der vorherigen Zinssitzung im Mai bezeichnete sie die Risiken zwischen Konjunkturschwäche und Inflation als ausgeglichen. Analysten erwarten weiterhin keine baldige Anhebung der Leitzinsen.

Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld liegt weiter bei 1,75 Prozent. Die Nachfrage ziehe an, aber der Grad der Erholung sei weiterhin ungewiss, erklärte die Fed nach den zweitägigen Beratungen ihres geldpolitischen Ausschusses in Washington. Die Fed verwies zwar auf das hohe Wirtschaftswachstum im ersten Quartal, signalisierte aber vorsichtigen Optimismus im Hinblick auf die kommenden Quartale.

Optimismus für die nächsten Quartale

"Das Gremium geht davon aus, dass die Endnachfrage - zum Teil unterstützt durch ein robustes Wachstum der Produktivität - innerhalb der kommenden Quartale weiter anziehen wird. Aber der Grad der Nachfragebelebung bleibt ungewiss", hieß es in der Stellungnahme. Auf die Lage an den zuletzt stark gebeutelten US-Aktienmärkten ging die Fed darin nicht ein.

Volkswirte hatten mit der Entscheidung gerechnet. Sie bezeichneten auch die Erklärung der Fed als wenig überraschend. "Sie haben nicht angedeutet, dass sie die jüngsten Fälle dubioser Bilanzpraktiken, die das Vertrauen der Investoren erschüttert haben, in Betracht gezogen haben", sagte Carol Stone von Nomura Securities. Die Notenbank sehe auch offenbar keinen Inflationsdruck durch den Kursrückgang des Dollar zu Euro und Yen. Am Mittwoch hatte das Eingeständnis des Telekom-Konzerns WorldCom, in den vergangenen fünf Quartalen falsch bilanziert zu haben, weltweit zu einem Kursrutsch an den Aktienmärkten geführt.

Zinserhöhung nicht vor November

Alan Ruskin von 4Cast Ltd in New York sagte, Hinweise auf eine baldige Anhebung der Zinsen seien in der Erklärung der Fed nicht zu erkennen. Andere Volkswirte sagten, Zinsanhebungen seien erst zu erwarten, wenn die Konjunktur erkennbar kräftig an Fahrt gewinne. Die Mehrheit der Volkswirte hatte zuletzt frühestens für November eine Straffung der Geldpolitik erwartet.

Die Fed ließ am Mittwoch auch den eher symbolischen Diskontsatz unverändert bei 1,25 Prozent. Zur Unterstützung der seit Anfang 2001 stark geschwächten US-Wirtschaft hatte die Fed im vergangenen Jahr den Zielsatz für Tagesgeld in elf Schritten um insgesamt 475 Basispunkte gesenkt. (APA/Reuters)

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