Zweite Waffe gegen die Grippe kommt

26. Juni 2002, 19:47
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Neues Anti-Influenza- Medikament bereits für die nächste Wintersaison zugelassen - in Pillenform, doch nur auf Rezept

Basel/Brüssel - In der kommenden Influenza-Saison wird nach der Substanz Zanamivir auch noch ein weiteres ursächlich gegen die Virus-Grippe-Erreger wirksames rezeptpflichtiges Medikament erhältlich sein. Der Schweizer Pharmakonzern Roche teilte am Mittwoch in einer Aussendung mit, dass der Wirkstoff Oseltamivir die Marktzulassung durch die EU-Behörden erhalten hat.

Von der Inhalation zur Pille

In der Influenza-Saison 1999/2000 stand mit Zanamivir erstmals ein derartiges Medikament zur Verfügung. Es muss allerdings als Pulver inhaliert werden. Oseltamivir gibt es hingegen in Pillenform, ist also leichter einnehmbar. Bei beiden Substanzen handelt es sich um innovative Wirkstoffe, die maßgeschneidert entwickelt wurden. Sie hemmen das Influenza-Virus-Enzym Neuraminidase und blockieren damit die Vermehrung sowohl von Influenza A- als auch von Influenza B-Viren.

Mit den Medikamenten können Ungeimpften bei Grippe-Epidemien am ehesten vor sehr schweren Verläufen der Erkrankung geschützt werden. Rechtzeitig eingenommen kürzen sie die Dauer und die Heftigkeit von Influenza-Erkrankungen ab. Prinzipiell ließe sich damit auch eine Influenza-Prophylaxe durch regelmäßige Einnahme durchführen.

Oseltamivir

Die Marktzulassung von Oseltamivir wurde für die Behandlung der Grippe bei Erwachsenen und Kindern sowie für die Verhütung der Grippe bei Jugendlichen und Erwachsenen erteilt. "Der Zugang zu neuen antiviralen Mitteln wie Tamiflu ist für Ärzte und Patienten wichtig. Dadurch wird der Ärzteschaft eine neue Waffe zur Bekämpfung des Grippevirus zur Verfügung gestellt, das jedes Jahr viele Menschen in Europa lahm legt und schwere Komplikationen sowie Todesfälle verursacht", erklärte Univ.-Prof. Dr. John Oxford (London).

Oseltamivir ist weltweit bereits in über 40 Ländern für die Grippebehandlung zugelassen, so in Australien, Kanada, Japan, der Schweiz, den USA sowie in zahlreichen Ländern des Fernen Ostens und Lateinamerikas. Rund vier Millionen Patienten haben es seit seiner Einführung erhalten. In den USA ist es auch für die Prävention von Grippe bei Jugendlichen und Erwachsenen, in den USA und in Kanada außerdem für die Behandlung von Grippe bei Kindern ab einem Jahr registriert.

Impfung bleibt angeraten

Allerdings haben Virologen und Ärzte immer wieder darauf hingewiesen, dass trotz des Vorhandenseins solcher Medikamente weiterhin die Impfung der beste Weg zu Schutz vor der Krankheit ist.(APA)

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