Brüssel hält Atomkraft für klimafreundlich

26. Juni 2002, 18:06
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EU-Kommissionspapier zu Energieversorgung ruft Widerstand hervor

Atomkraft dient der sicheren Energieversorgung in der EU - und dem Klimaschutz. Das ist der Tenor eines Papiers, das die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel beschlossen hat. Energiekommissarin Loyola de Palacio nannte die Atomenergienutzung die "heutzutage einzige Methode, CO2 einzusparen - neben dem Energiesparen und den erneuerbaren Energien".

Der Abschlussbericht der Brüsseler Behörde zur Debatte über ihr Grünbuch zur Sicherheit der Energieversorgung behält Atomenergie als Option für die Zukunft bei. Die Entscheidung über ihre Nutzung bleibt aber den einzelnen Staaten überlassen.

Der Bericht, der unter Federführung de Palacios ausgearbeitet wurde, stieß im 20er-Kollegium der EU-Kommissare im Punkt Atomenergie auf Widerstand, unter anderem vonseiten des österreichischen EU-Kommissars Franz Fischler. Die Mehrheit teilte jedoch de Palacios Analyse.

Die Kommissarin hob bei der Vorstellung des Berichts vor allem den Beitrag der Atomenergienutzung zur Erreichung der Kioto-Klimaziele hervor: "Durch Atomenergie lassen sich in Europa pro Jahr 320 Millionen Tonnen an CO2 einsparen", sagte de Palacio.

In dem Papier heißt es zwar diplomatisch, der Atomausstieg in einigen Mitgliedsstaaten werde die Fähigkeit der EU, ihre Kioto-Verpflichtungen zu erfüllen, nicht beeinträchtigen, doch es dürfe "nicht vergessen werden, dass der völlige Verzicht auf Kernenergie bedeuten würde, dass 35 Prozent der Stromproduktion von erneuerbaren oder konventionellen Energieträgern kommen müssten".

Ein Sprecher des österreichischen Umweltministers Wilhelm Molterer widersprach am Mittwoch der Brüsseler Analyse zum Thema "CO-Einsparung durch Atomkraft". (Jörg Wojahn aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2002)

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