EU-Kommissarin will Export russischen Atomstroms in EU ermöglichen

26. Juni 2002, 16:46
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Heftige Kritik von den Grünen im EU-Parlament: "De Palacio führt ihren Atom-Kreuzzug weiter"

Brüssel - EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio will den Export russischen Atomstroms in die Europäischen Union möglich machen. "Ich bin dafür, dass wir das europäische Stromnetz verknüpfen mit dem russischen", sagte de Palacio am Mittwoch in Brüssel. Die russischen Kernkraftwerke müssten dann aber die europäischen Sicherheitsnormen erfüllen, fügte die Kommissarin hinzu.

Nach Ansicht de Palacios muss der Stromaustausch mit Russland keine Einbahnstraße sein. Die Kommissarin wies allerdings auf den wachsenden Energieverbrauch der Europäischen Union hin. Jene Mitgliedsländer, die einen Ausstieg auf der Atomkraft beschlossen hätten, müssten sagen, wie sie für Ersatz sorgen wollten.

Kein Konsens

In der Atompolitik zeichne sich derzeit kein Konsens zwischen den 15 EU-Staaten ab, erklärte de Palacio. Einig sei sich die Union hingegen beim Ausbau alternativer Energien und beim Energiesparen. Die Kommission wolle mit ihren Förderprogrammen erreichen, dass der Anteil erneuerbarer Energien von sechs auf zwölf Prozent des Verbrauchs steige. Das Potenzial sei aber begrenzt.

EU-Grüne: Atomstrom ohne Förderung nicht konkurrenzfähig

"De Palacio führt ihren Atom-Kreuzzug weiter" kommentieren die Grünen im EU-Parlament die heutigen Schlussfolgerungen der EU-Kommission zum Grünbuch Energie. Dies sei ein weiterer Versuch von Energie-Kommissarin Loyola de Palacio, "die Verwendung der Atomenergie in der EU massiv anzukurbeln".

"Wir haben heute eine weitere Etappe im Kreuzzug von Energiekommissarin Loyola de Palacio für die Atomenergie erlebt. Ihre Empfehlung an die Mitgliedsstaaten, die Option Atomenergie offen zu halten, überschattet die sonstigen positiven Empfehlungen des Grünbuches zur Energieeinsparung, Steigerung der Energieeffizienz und der Förderung der erneuerbaren Energie. Diese Empfehlung ist auch ein Schlag ins Gesicht aller Länder in der EU, die niemals Atomenergie verwendet haben oder sich aus guten Gründen zum Atomausstieg entschlossen haben", schreibt der Energiesprecher der Fraktion, Claude Turmes.

"Illusion über Atomenergie"

Die EU-Kommission müsse "endlich von einigen Illusion über die Atomenergie Abschied nehmen", nämlich dass die Atomenergie ein taugliches Mittel zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen und damit zur Erfüllung der Kyoto-Ziele sei und dass die Atomenergie eine ökonomisch wettbewerbsfähige Energieform sei, die in der Lage wäre, langfristig einen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten, so Turmes.

Atomenergie sei überhaupt nur konkurrenzfähig, weil sie "durch den anachronistischen Euratom-Vertrag unfaire Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Energieformen erhält. Müsste Atomenergie unter gleichen Wettbewerbsbedingungen konkurrieren, hätte sich dieses Kapitel rein ökonomisch schon längst erledigt", schließt der EU-Abgeordnete. (APA/dpa)

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    EU-Energiekommissarin: Russische Kernkraftwerke müssten die europäischen Sicherheitsnormen erfüllen.

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