Reisen sind größter Umsatzträger im US-Onlinehandel

26. Juni 2002, 15:19
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Studie: Mehrheit der US-Internethändler hat 2001 Breakeven erreicht

Wien - Per Mausklick an den Badestrand: Immer mehr US-Verbraucher haben 2001 ihre Urlaubsreise über das Internet gebucht. Mit rund 20 Mrd. US-Dollar (20,6 Mrd. Euro) waren Reisen im vergangenen Jahr der größte Umsatzträger im Onlinehandel in den USA. Für PC-Bedarf gaben die US-Konsumenten online rund 5,9 Mrd. US-Dollar aus, für Automobile rund 5,4 Mrd. Dollar. Das geht aus einer neuen Studie der Boston Consulting Group (BCG) hervor, die heute, Mittwoch, veröffentlicht wurde.

Kräftiger Umsatzanstieg

2001 sind die Umsätze im US-Onlinehandel gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 51,3 Mrd. Dollar gestiegen. Für 2002 wird eine weitere Steigerung um 40 Prozent auf rund 72 Mrd. Dollar erwartet, zeigt die Studie "The State of Retailing Online 5.0", die The Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit dem US-Einzelhändler- Dachverband Shop.org und dem Marktforschungsunternehmen Forrester Research erstellt hat. Basis der Studie sind Daten von hundert Einzelhändlern in den USA, zu denen reine Onlineshops ebenso zählen wie so genannte "Multikanalhändler", die mehrere Vertriebswege nutzen. Sie verkaufen nicht nur online, sondern auch stationär in Warenhäusern oder als Versandhäuser über Kataloge.

Die Mehrheit der Einzelhändler in den USA - rund 56 Prozent - hat 2001 im Onlinegeschäft die Gewinnzone erreicht. Ein Jahr zuvor hatten erst 43 Prozent profitabel gearbeitet. Wenn auch die gesamte Branche noch immer Verluste macht, so verbesserte sich 2001 die durchschnittliche Marge im operativen Geschäft deutlich auf -6 Prozent nach -15 Prozent im Jahr davor.

An der Schwelle zur Profitabilität

"Der US-Onlinehandel steht in diesem Jahr an der Schwelle zur Profitabilität, da noch mehr Einzelhändler Mengenwachstum erreichen und sich Investitionen in die Infrastruktur auszahlen werden", meint Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin von BCG in Wien und München. Außerdem würden die Onlinehändler weiter daran arbeiten, im Marketing effizienter und in der Supply-Chain leistungsfähiger zu werden.

Das Erreichen der Gewinnschwelle durch viele US-Onlinehändler im Jahr 2001 sei auf höhere Onlineumsätze der Verbraucher zurückzuführen. Zudem zeigten mehrere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung Wirkung. So fielen die Marketingkosten pro Bestellung von 20 auf 12 Dollar. Die Kosten für die Gewinnung von Kunden sanken von 29 auf 14 Dollar. Zudem generierten die Verbraucher, die wiederholt online kauften, mit 53 Prozent mehr als die Hälfte der Umsätze - im Vorjahr waren es noch lediglich 40 Prozent.

Multikanalhändler besonders erfolgreich

Besonders erfolgreich im Onlinegeschäft waren die Multikanalhändler. Während reine Online-Shops im operativen Geschäft Verluste von 13 Prozent hinnehmen mussten, lag die durchschnittliche Marge bei Multikanalhändlern mit Ladenketten nur bei minus fünf Prozent. "Multikanalhändler sind die Wachstumstreiber im Onlinehandel. Sie bieten dem Kunden vielfältige Kontaktmöglichkeiten und Einkaufserlebnisse und sind erfolgreicher als Händler, die nur über das Internet agieren", so Mei-Pochtler. Sie bescheinigt dieser Vertriebsgruppe "weiter beste Wachstumsaussichten, wenn es ihnen gelingt, Kundeninformationen über die verschiedenen Kanäle hinweg optimal zu erfassen, einzelne Kundensegmente noch gezielter anzusprechen und das Customer-Relationship-Management weiter zu professionalisieren". Onlinehandel sei kein Geschäftsmodell, sondern schlichtweg ein weiterer Vertriebskanal.

Die 1963 in den USA gegründete Boston Consulting Group unterhält heute weltweit 54 Büros, davon acht in Deutschland und Österreich. Hier erzielte BCG im Jahr 2001 mit 550 Beraterinnen und Berater einen Umsatz von 240 Mill. Euro. BCG ist im Besitz der Geschäftsführer und berät Unternehmen aus allen Branchen. (APA)

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