Volkstheater: Hoffen auf "erprobtere Regisseure"

26. Juni 2002, 20:04
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Die Spielzeit 2001/02 war "eher schwierig"

Wien - Unkonventionelle Wege beschreitet Volkstheater-Direktorin Emmy Werner, die bei der Ankündigung des Programms für 2002/03 kurzerhand auf ein Pressegespräch verzichtet hat - weil sich das Theater nach der zu Ende gehenden, "eher schwierigen Spielzeit noch den Sommer für einige Entscheidungen vorbehalten möchte".

"Schwierig" war die Spielzeit, in der die Auslastung der Hauptproduktionen von 81 Prozent auf 72 Prozent sank, auch wegen missglückter Inszenierungen wie etwa der von Gert Jonkes Die Vögel durch Georg Staudacher. Werner dazu in einem Brief an die Medien, der vorläufig das Pressegespräch ersetzen soll: "Dass die Versuche mit jungen Regisseuren nicht immer jenes Ziel erreichen, das wir erhoffen, werten wir nicht als Misslingen, denn selbstverständlich haben wir es all die Jahre für unsere Aufgabe gehalten, gerade jungen Theaterschaffenden eine Chance zu bieten. Nichtsdestotrotz erscheint es mir notwendig, in der kommenden Spielzeit ein wenig mehr auf erprobtere Regisseure zu setzen."

Dennoch bilanziert das Volkstheater weiterhin positiv. Die Subventionskürzung seitens des Bundes konnte weiterhin aufgefangen werden. Und, so Werner: "Als in diesem Jahr besonders wichtig erwiesen sich unsere politischen Veranstaltungen" - darunter (in Zusammenarbeit mit dem STANDARD) die Diskussionsreihe Globalisierung und Gewalt, die übrigens im Herbst fortgesetzt wird.

Das Volkstheater-Programm weist gegenüber früheren Ankündigungen kaum Neuerungen auf. Die auf die kommende Saison verschobene Uraufführung von Gustav Ernsts Lulu soll im April stattfinden. Racines Phädra (Inszenierung: Beverly Blankenship, Premiere: 1. 9.) ist ebenso angekündigt wie Groß und Klein von Botho Strauß (Regie: Frank Arnold), Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch (Regie: Anselm Weber), Schillers Kabale und Liebe und Kleists Der zerbrochene Krug (Regie: Georg Schmiedleitner). Emmy Werner wird sich Ödön von Horvaths Don Juan kommt aus dem Krieg widmen. Frédéric Lion inszeniert die heimische Erstaufführung des irischen Stücks Steine in den Taschen von Marie Jones. Weiters sind Uraufführungen von Franzobel und Kathrin Röggla - Titel: Fake Reports - geplant. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2002)

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