Korea atmet durch und hofft auf Platz drei

26. Juni 2002, 12:43
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"In den vergangenen 25 Tagen haben die Menschen im Zuge der roten Welle Mut und Hoffnung gewonnen"

Seoul - Präsident Kim Dae Jung sprach von "unseren Helden", Trainer Guus Hiddink war stolz "auf meine Jungs" und die Medien lobten den Verlierer in höchsten Tönen: Die Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland ließ die WM-Gastgeber nur kurz Trübsal blasen. "Ihr wart super!", titelte die Zeitung "Sports Today" in dicken Lettern trotz des geplatzten Traums vom Finale. Und das Blatt "Joongang Ilbo" stellte fest: "Wir haben ein Spiel verloren, aber Korea hat gewonnen. In den vergangenen 25 Tagen haben die Menschen im Zuge der roten Welle Mut und Hoffnung gewonnen."

Ein freier Tag

Die müden "Korean Fighter" erhielten am Mittwoch einen freien Tag, um ihre Wunden zu lecken. "Wir werden uns erholen. Natürlich haben wir an dieser Enttäuschung schwer zu schlucken, doch am Samstag müssen wir uns für unser Publikum anstrengen, den dritten Platz zu erringen", meinte Hiddink nach der ersten Niederlage im Turnierverlauf. Als Trostpflaster erhält jeder Spieler die stolze Prämie von rund 250.000 Euro. Etwa zwei Drittel zahlt der koreanische Fußball-Verband, den Rest steuert die Regierung bei.

Nächstes Ziel: Spiel um Platz drei

Den traurigen Helden, die mit ihren Siegen das ganze Land in Euphorie versetzt haben, war das 0:1 gegen den dreifachen Weltmeister fast peinlich. "Es tut mir leid, dass wir nicht erreicht haben, was ganz Korea erhofft hatte", entschuldigte sich Torhüter Woon-Jae Lee. Und Verteidiger Jin-Cheul Choi meinte: "Es ist schade für die Fans, die uns so toll unterstützt haben. Auf das Spiel um Platz drei wollen wir uns noch besser vorbereiten."

"Ausgegangener Dampf"

Als Grund für die Niederlage gegen Deutschland machten die Medien die fehlende Kraft verantwortlich. "Am Ende ist Südkorea einfach der Dampf ausgegangen", befand die "Korean Times". Sturm-Oldie Sun-Hong Hwang, der schon bei der WM 1994 gegen die DFB-Auswahl den Kürzeren gezogen hatte, bekannte wehmütig: "Ich wollte gern nach Yokohama, aber wir waren zu erschöpft." Der 33-Jährige wünschte sich daher: "Ich würde gern noch einmal gegen Deutschland spielen, wenn alle fit sind."

Gedämpfter Optimismus bei Bum-Kun Cha

Von einer zweiten Chance träumt auch Doo-Ri Cha. Der 21-jährige Stürmer, der auf einen Vertrag bei Bayer Leverkusen hofft, versprach: "In vier Jahren werde ich ein Tor gegen Deutschland schießen." Die WM 2006 spukte einigen Spielern bereits durch den Kopf, obwohl die Titelkämpfe im eigenen Land noch gar nicht beendet sind. "Wenn wir uns weiter verbessern, können wir die Besten der Welt werden", glaubt Mittelfeldspieler Ji-Sung Park. Bum-Kun Cha, Hiddinks Vorgänger als Auswahltrainer, hält dies jedoch nicht für möglich: "Südkorea hat eine fantastische WM gespielt, wie wir es wohl die nächsten 20 Jahre nicht mehr tun werden."(APA/dpa)

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