Verzetnitsch erwartet Einlenken der Regierung

26. Juni 2002, 12:15
1 Posting

ÖGB-Chef gegen Teilprivatisierung des Unternehmens - Schwere Kritik am Postbus-Vorstand

Wien - Im Streit um die Teilprivatisierung des österreichischen Postbusses rechnet der Österreichische Gewerkschaftsbund nach wie vor mit einem Einlenken der Regierung. "Ich bin überzeugt, dass die Regierung die Signale versteht", sagte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch am Mittwoch früh bei einer Versammlung von rund 500 Postbus-Mitarbeitern in Wien-Erdberg anlässlich des zweitägigen Warnstreiks, der heute um Mitternacht zu Ende geht.

Verzetnitsch spricht sich explizit gegen die, wie er sagt, planlose Teilprivatisierung des Unternehmens aus. Es könne nicht das politische Ziel sein, eigene Funktionäre mit Posten zu versorgen oder ausschließlich nach der Ideologie "Mehr privat, weniger Staat" zu handeln.

Anliegen ist Versorgungssicherheit Österreichs

Zu einer möglichen Unterstützung des ÖGB für unbegrenzte Streiks beim Postbus noch im Herbst wollte sich Verzetnitsch nicht äußern. "Diese Frage stellt sich noch nicht. Er gehe davon aus, dass die Regierung die Warnstreiks ernst nimmt", so Verzetnitsch vor Journalisten.

Bei den Streiks gehe es nicht nur um die Rettung der Arbeitsplätze, sondern auch um die Versorgungssicherheit Österreichs im ländlichen Raum. Ziel des Ministerratsbeschlusses, der eine Übertragung des Postbusses von der ÖIAG an die ÖBB und die anschließende Teilprivatisierung von 30 Prozent des Unternehmens vorsieht, habe nicht zum Ziel, die Verkehrsversorgung in den "letzten Flecken Österreichs" sicherzustellen. Der ÖGB werde dies "nicht stillschweigend hinnehmen", bekundete Verzetnitsch vor den versammelten Postbusmitarbeitern erneut seine Solidarität.

Schwere Kritik übte der ÖGB-Präsident auch am Vorstand der Postbus AG, der in der Diskussion um die Zukunft des Unternehmens laut Verzetnitsch "herumlaviert". Der Vorstand trage eine Verantwortung für den Erhalt des Unternehmens. Nur so könne der Vorstand sein Ziel, ab 2003 schwarze Zahlen zu schreiben, erreichen. Daher müsse er "den Mut haben, dem Eigentümer zu sagen, dass es unter den geplanten Bedingungen so nicht geht".(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.