OPEC dreht bis September nicht am Öl-Hahn

27. Juni 2002, 09:13
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Fördermenge bleibt bei 21,7 Millionen Barrel pro Tag - WorldCom-Bilanzskandal drückt Ölpreis

Wien - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat erwartungsgemäß ihre Förder- und Exportmengen von 21,7 Mill. Barrel pro Tag bis Ende September fortgeschrieben. Die Ölminister wollen sich am 18. September erneut treffen, um die Preis- und Mengenstrategie des Kartells zu überprüfen. Der Ölpreis gab am Mittwoch nach.

Am Markt war mit einer Beibehaltung der Fördermengen gerechnet worden. Damit wolle die OPEC ein Absacken des Ölpreises angesichts einer reichlichen Versorgung der Ölmärkte und schwacher Nachfrage der Verbraucherländer vorbeugen, sagten Händler. Die Turbulenzen an den Aktienmärkten und ein überraschend starker Anstieg der Kraftstoffvorräte in den USA drückten den Ölpreis am Mittwoch jedoch wieder unter 25 Dollar. Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im August wurden am Abend an der Londoner Warenterminbörse International Petroleum Exchange (IPE) 24,90 Dollar und damit 30 US-Cents weniger als am Vortag bezahlt.

Rodriguez scheidet aus

Katars Ölminister Abdullah El Attiyah hatte schon vor der Ratifizierung der Quotenvereinbarung gesagt, der Venezolaner Alvaro Silva sei bei dem Treffen zum Nachfolger des scheidenden Generalsekretärs Ali Rodriguez ernannt worden. Rodriguez wechselt an die Spitze des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns Petroleos de Venezuela.

Einige Analysten äußerten die Befürchtung, der Ölpreis könnte weiter anziehen, nachdem die OPEC beschlossen hat, ihre Exportmengen unverändert zu lassen. Gary Ross vom Haus Pira Energy in New York sagte, steigende Nachfrage aus saisonalen Gründen und wegen der allmählichen Konjunkturbelebung werde die Preise weiter anziehen lassen und einen Mehrbedarf an OPEC-Öl signalisieren.

Produktionserhöhung ab September möglich

OPEC-Präsident Rilwanu Lukman sagte, bei einem Anstieg des Ölpreises auf 30 Dollar werde die OPEC ihre Produktion erhöhen. Der scheidende OPEC-Generalsekretär Rodriguez fügte hinzu, wenn steigende Nachfrage dies rechtfertige, könnten die Ölexporte beim September-Treffen der OPEC um eine Million Barrel täglich (bpd) angehoben werden. Wie das OPEC-Sekretariat am Mittwoch in Wien bekanntgab, ist der OPEC-Korbpreis am Dienstag geringfügig auf 24,61 Dollar gestiegen (nach 24,56 am Montag).

Händlern zufolge dürfte die erwartete Verlängerung des Quotenabkommens kaum Auswirkungen auf die Ölmärkte haben, so lange die OPEC nicht entschieden gegen die Quotenüberschreitungen durch ihre Mitglieder vorgeht. Diese drückten den Preis, zumal Förderländer die nicht der OPEC angehörten, wie Rußland, eine Erhöhung ihrer Ölexporte angekündigt haben. Rußland, Mexiko und Norwegen hatten vom 1. Jänner bis Ende Juni ihre Ölexporte um zusammen 500.000 bpd reduziert, um die Bemühungen der OPEC zur Preisstabilisierung zu unterstützen. Das Kartell hatte seine Ölexporte am 1. Jänner dieses Jahres um 1,5 Mill. auf 21,7 Mill. bpd eingeschränkt, um den Preis in der angestrebten Spanne zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel zu stabilisieren. Nach unabhängigen Schätzungen führen die OPEC-Länder derzeit etwa 1,5 Mill. bpd mehr aus, als sie nach der Quotenvereinbarung dürften. (APA/Reuters)

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