Hochkonzentriertes Fischöl schützt vor plötzlichem Herztod

26. Juni 2002, 11:47
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Italienische Großstudie zeigte: 45-prozentige Risikosenkung möglich - Fischmahlzeiten leider kein Ersatz für Kapsel-Einnahme

Wien - Jährlich sterben in Österreich rund 16.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Ein Teil von ihnen könnte in Zukunft durch eine relativ einfache Maßnahme davon verschont bleiben: Durch die regelmäßige Einnahme von hoch konzentriertem Fischöl (Omega-3-Fettsäuren). Das hat eine unter italienischer Führung durchgeführte "Mammut-Studie" ergeben.

Der Hintergrund: Seit langem ist bekannt, dass Omega-3-Fettsäuren einen "Herzschutz" darstellen. Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Leiter der Stoffwechselambulanz an der Medizinischen Universitätsklinikin Graz, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien: "Wir gehen davon aus, dass Fischöle direkt vor einem Infarktereignis schützen, indem sie die (Blut-)Plättchen-Zusammenballung hemmen und so die Gefäße frei halten. Außerdem wird diesen Ölen eine Wirkung gegen Arrhythmien zugeschrieben."

Wirkunbgsweise

Fischöl senkt offenbar vor allem die Triglyceridwerte im Blut. Doch es gibt auch andere Effekte. Das haben die in Fachkreisen weltbekannten italienischen Kardiologen der so genannten GISSI-Studiengruppe in einer 1999 im "Lancet" erschienenen wissenschaftlichen Arbeit mit 11.000 Patienten bewiesen.

Ein Viertel der Probanden, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, bekam jeden Tag eine Kapsel mit einem Gramm Fischöl. Ein weiteres Viertel nahm pro Tag 300 Milligramm Vitamin E ein, ein weiteres Viertel beides und der Rest der Probanden erhielt Scheinmedikamente.

Der Erfolg

Das Hauptergebnis: Die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes sank in der Gruppe der Personen, welche die Fischöl-Kapseln eingenommen hatten, um 45 Prozent. Für Vitamin E wurde kein statistisch signifikanter positiver Effekt bewiesen. Die Gesamtsterblichkeit, die Häufigkeit der nicht tödlichen Infarkte und der nicht tödlichen Schlaganfälle reduzierte sich um 20 Prozent.

Dazu der Wiener Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Heinrich Weber: "Die Omega-3-Fettsäuren wirken offensichtlich antiarrhythmisch. Das heißt, sie setzen die Flimmerschwelle der Herzmuskelzelle herab und wirken so dem plötzlichen Herztod entgegen." Gefährdet, in das oft tödliche Kammerflimmern hinein zu geraten, sind speziell Patienten, die bereits an durch Atherosklerose bedingte Herzerkrankungen leiden, ebenso Menschen mit Herzschwäche.

Die Betroffenen

Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien "Der plötzliche Herztod betrifft pro Jahr 1,5 Prozent der Menschen mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, fünf Prozent der Patienten, die bereits einmal einen Infarkt hatten, und 20 Prozent der Kranken mit einer Herzinsuffizienz, 25 Prozent der Kranken, die schon einmal einen Herzstillsand erlitten hatten, und mehr als 30 Prozent der Patienten, die einmal einen Herzinfarkt mit Kammerarrhythmien gehabt haben."

An diese Personen könnte sich in Zukunft die Vorsorge per Fischöl richten. Die Fachleute sprechen hier von "Sekundäprävention", weil vor allem nach bereits vorhandenen Herzproblemen weitere Zwischenfälle verhindert werden sollen. In Österreich gibt es jetzt solche Fischöl-Kapseln mit einem Gramm hoch gereinigter und hoch konzentrierter Omega-3-Fettsäuren.

Leider nur in Kapselform

Der sicher lust- und geschmackvollere Konsum häufiger und großer Fischmahlzeiten dürfte in unseren Breiten weniger Effekt als das pharmazeutische Produkt haben. Toplak: "Fisch statt konzentriertem Fischöl in unseren Breiten einzusetzen, ist allerdings nicht zielführend. Denn zum Einen ist die Verfügbarkeit von Frischfisch gering, zum Anderen sind die bei uns gebräuchlichen Garformen und Zubereitungen (...) nicht geeignet, Fettsäuren hoher Qualität zuzuführen." (APA)

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