Flucht zu den Indianern

26. Juni 2002, 11:16
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New Yorker Raucher flüchten vor hohen Tabaksteuern

Washington - Die steigenden Steuern auf Zigaretten, die die ohnehin schon hohen Preise noch weiter nach oben treiben, haben in den USA zu einem Boom bei Zigarettenkäufen übers Internet geführt. Insbesondere in den Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut an der Ostküste, wo der Durchschnittspreis für ein Päckchen Zigaretten inzwischen bei über fünf Dollar (5,11 Euro) liegt, weichen viele Nikotin-Süchtige auf billigere Bezugsquellen aus. Dies nützt Zigaretten-Verkäufern in Indianer-Gebieten, die die Glimmstängel von dort übers Internet steuerfrei anbieten können.

In New York müssen Raucher wegen einer Steuererhöhung ab 1. Juli besonders tief in die Taschen greifen: 7,5 Dollar (7,67 Euro) wird dann ein Päckchen Zigaretten kosten. Da Rauchen ohnehin in Büros, Geschäften und öffentlichen Gebäuden verboten ist, finden die Nikotin-Süchtigen aber auch immer seltener Gelegenheit, ihrer Leidenschaft zu frönen. Der landesweit ermittelte Durchschnittspreis für ein Packerl liegt bei 3,75 (3,83 Euro) Dollar, berichtet die "New York Times".

Abschreckungszweck

Der New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg hofft durch die Steuererhöhung nicht nur auf steigende Einnahmen, er will auch potenzielle Raucher abschrecken. Besonders Jugendliche sollen die hohen Preise vom gesundheitsschädlichen Laster abhalten, hofft Bloomberg.

New York liegt dabei voll im Trend: Heuer haben bereits zehn US-Bundesstaaten die Zigarettensteuern erhöht. Ob höhere Preise tatsächlich das Rauchen eindämmen oder ob der Gesamtverbrauch gleich bleibt und dadurch der Internet-Verkauf und Zigarettenschmuggel massiv gefördert wird, darüber gehen die Expertenmeinungen allerdings auseinander.

Der Professor für öffentliche Gesundheit in North Carolina, Kurt Ribisl, rechnet mit einem weiteren Anstieg bei Käufen über das Internet. In einer im Vorjahr veröffentlichten Studie hatte er 88 Web-Anbieter von billigeren Zigaretten ermittelt, darunter 49 in Indianer-Gebieten. Bei einer Aktualisierung in diesem Jahr wurden bereits 195 Anbieter im Web gefunden. Gemäß der Steuergesetze müssen Internet-Kunden den Zigarettenkauf im eigenen Staat den Finanzbehörden angeben und unverzüglich die Steuer des eigenen Bundesstaates nachzahlen. Dies ist aber nach Expertenangaben bisher "noch nie" passiert. (APA)

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