Manipulationen in Miliardenhöhe

27. Juni 2002, 14:07
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WorldCom betrog seine Anleger und täuschte in den Bilanzen Gewinne vor

Clinton/New York - Ein neuer Wirtschaftsskandal erschüttert die Finanzmärkte in den weltweit: Der schwer angeschlagene US-Telekomriese WorldCom hat Falschbuchungen von 3,85 Mrd. Dollar (vier Mrd. Euro) vorgenommen. Ausgaben wurden einfach als Investitionen verbucht. WorldCom hat dadurch für das Jahr 2001 und für das erste Quartal 2002 Gewinne verbucht, statt rote Zahlen auszuweisen, teilte das Unternehmen mit.

Es dürfte sich um eine der schwersten US-Buchführungsbetrügereien handeln. WorldCom könnte nach Ansicht von Wall-Street-Beobachtern der Gang zum Konkursrichter drohen. WorldCom sitzt nach 60 Firmenaufkäufen während der Neunzigerjahre auf einem Schuldenberg von mehr als 30 Mrd. Dollar.

WorldCom hatte 1998 den Telekomkonzern MCI gekauft und war bei der Übernahme des US-Telefongiganten Sprint nur am Widerstand der Wettbewerbshüter gescheitert.

Aktie auf 20 Cents eingebrochen

WorldCom hat mehr als 20 Millionen Kunden und ist nach AT&T die zweitgrößte US-Ferngesprächsfirma. Sie ist auch eine der weltgrößten Internet-Netzwerkfirmen. Der WorldCom-Aktienkurs ist auf 20 US-Cent eingebrochen. Er hatte Anfang dieses Jahres noch bei 15 Dollar und 1999 bei 62 Dollar gelegen.

Finanzchef gefeuert

WorldCom hat seinen Finanzchef Scott Sullivan sofort gefeuert. Die Gesellschaft will ihre Ergebnisse für 2001 und für das erste Quartal dieses Jahres neu herausgeben und am Freitag mit der Entlassung von 17.000 Mitarbeitern beginnen. Das sind mehr als 20 Prozent der Gesamtbelegschaft. "Unser Führungsteam ist geschockt", erklärte WorldCom-Chef John Sidgmore. Er hatte den langjährigen Firmenchef Bernard J. Ebbers am 29. April abgelöst. Ebbers schuldet WorldCom mehr als 366 Mio. Dollar für Firmenkredite und -kreditbürgschaften. Die Gesellschaft bleibe lebensfähig, versichert Sidgmore.

Skandalserie

Die WorldCom- Enthüllungen bilden den jüngsten Höhepunkt einer beispiellosen US-Skandalserie. Sie folgten dem Kollaps des Energiehändlers Enron und der Verurteilung seines Wirtschaftsprüfers Andersen wegen Justizbehinderung. Hinzu kamen der Konkurs des Telekom-Unternehmens Global Crossing und der US-Kabelfernsehfirma Adelphia sowie Untersuchungen der Aufsichtsbehörden bei dem Mischkonzern Tyco. Andersen war bis vor kurzem auch Buchprüfer bei WorldCom. Andersen betonte, seine WorldCom-Arbeiten hätten stets im Einklang mit SEC und professionellen Standards gestanden. (red, dpa, vwd, DER STANDARD, Printausgabe 27.6.2002)

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