Anti-Drogen-Tag: Welle von Todesurteilen in China

26. Juni 2002, 15:05
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Die Justiz läßt landesweit mindestens 39 wegen Drogenhandels Verurteilte hinrichten

Peking/Schanghai/Islamabad - China hat mit einer Welle von Todesurteilen zum weltweiten Anti-Drogen-Tag am Mittwoch Härte im Kampf gegen die stark wachsende Drogenkriminalität demonstriert. Die Justiz ließ landesweit mindestens 82 Angeklagte hinrichten, gegen wenigstens 39 weitere wurde wegen Drogenhandels die Todesstrafe verhängt. Das berichteten am Mittwoch Staatsmedien und Justizbeamte.

Im vergangenen Jahr hatten Chinas Gerichte zum Anti-Drogen-Tag der Vereinten Nationen mehr als 100 Todesurteile vollstrecken lassen. Viele Todesstrafen werden aber noch nach dem Anti-Drogen-Tag verhängt und vollstreckt oder tauchen in den Berichten der Medien gar nicht erst auf.

In Pakistan vier Millionen Suchtgiftsüchtige

Auch in Pakistan und Kambodscha nimmt der Drogenkonsum und die damit verbundene Kriminalität zu. Nach Angaben der Behörde zur Drogenbekämpfung (ANF) in Islamabad gibt es derzeit in Pakistan vier Millionen Suchtgiftsüchtige. Nach einer von der ANF zum Anti-Drogen-Tag veröffentlichten Statistik steigt die Zahl jährlich um sieben Prozent, da der Nachbarstaat Afghanistan als Suchtgiftproduzent in ein Vakuum stoße. Vor zwei Jahren hatte sich Pakistan noch als opiumfrei bezeichnet.

Kambodscha droht der zunehmende Drogenmissbrauch In Kambodscha drohe der zunehmende Drogenmissbrauch die Khmer-Kultur zu zerstören, erklärte am Mittwoch Ministerpräsident Hun Sen. Die Entwicklung mache auch jüngste Erfolge bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids zunichte. Nach einer Studie vom Jahr 2000 sind etwa 170.000 Menschen im Alter von 15 bis 45 Jahren mit dem HIV-Virus infiziert.

In ganz China gibt es nach amtlichen Statistiken mehr als 900.000 Drogenabhängige, die bei den Behörden registriert sind. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres habe die Polizei mehr als 45.000 Fälle von Drogenkriminalität bearbeitet, berichtete die offizielle Zeitung "China Daily". "Diese hohe Zahl zeugt von einer grauenvollen Lage mit steil wachsendem Drogenhandel und -gebrauch im Lande", hieß es im Leitkommentar.

In der Metropole Schanghai etwa nimmt die Zahl der registrierten Drogenkonsumenten nach Angaben der Behörden in "alarmierenden Maße" zu. Während sie 1999 noch bei knapp 8.440 gelegen habe, sei sie auf fast 15.000 zum Ende des vergangenen Jahres gestiegen, berichtete die "Shanghai Daily". Synthetische Modedrogen wie "Ice" oder "Ecstasy" würden besonders bei jungen Leuten immer beliebter. (APA/dpa)

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