Deutschland fordert Auslieferung von argentinischen Ex-Militärs

26. Juni 2002, 06:50
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Generäle hatten vor 25 Jahren Deutsche wegen ihrer politischen Gesinnung ermordet

Buenos Aires - Ein Viertel Jahrhundert nach dem Mord an der deutschen Studentin Elisabeth Käsemann hat Deutschland von Argentinien die Auslieferung von zwei Generälen der früheren Militärjunta verlangt. Wie der von der Bundesregierung beauftragte Anwalt Luis Zuppi am Dienstag mitteilte, wird der Richter Rodolfo Canicoba Corral den Auslieferungsantrag prüfen. Die beiden Ex-Generäle Juan Bautista Sasiain und Pedro Duráan Sainz werden verdächtigt, für die Ermordung Käsemanns im Mai 1977 in Monte Grande bei Buenos Aires verantwortlich zu sein.

Hauptbeschuldigter ist der ehemalige Heereschef Guillermo Suarez Mason. Gegen ihn ordnete die argentinische Justiz im vergangenen Oktober Auslieferungshaft an. Die Regierung in Buenos Aires weigert sich allerdings bisher, Suarez Mason nach Deutschland auszuliefern.

Deutsches auswärtiges Amt hat versagt

Der Fall Käsemann hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Tochter des bekannten Theologieprofessors Ernst Käsemann war im März 1977 in Buenos Aires als politisch anders Denkende entführt und in einer Kaserne in Buenos Aires interniert worden. Ihre zwei Tage später ebenfalls verhaftete britische Freundin Diana Houstoun Austin hörte in dem Lager die Schreie der von den Militärs gefolterten Studentin. Austin kam nur wenige Tage später nach der umgehenden Intervention durch die britische Botschaft frei, das deutsche Auswärtige Amt unterließ Medienberichten zufolge dagegen trotz wiederholter Aufforderung durch Menschenrechtsorganisationen ähnliche Schritte.

Nach Erkenntnis der Ermittler wurde Käsemann am 24. Mai 1977 mit einer Kapuze über dem Kopf durch Schüsse in das Genick und den Rücken getötet. Das Ermittlungsverfahren geht auf eine Anzeige von Angehörigen zurück, die von der Nürnberger Menschenrechtsgruppe "Koalition gegen Straflosigkeit" unterstützt werden. Während der Militärdiktatur in Argentinien wurden von 1976 bis 1983 insgesamt 30.000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos. (APA)

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