Viel Partei, wenig Bürger

27. Juni 2002, 08:45
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Nur zwölf Abgeordnete haben eine eigene Homepage

Viele Parteikontakte, aber kaum Dialog mit dem Bürger. Österreichs Parlamentarier gehen mit dem Medium Internet höchst selektiv um. Zu diesem Ergebnis kommen die Innsbrucker Politologen Peter Filzmaier und Kathrin Stainer-Hämmerle in ihrer Studie über die Nutzung des Internets im Parlament. 80 der 183 Abgeordneten beteiligten sich dafür an einer Befragung.

"Akzeptiert"

Zwar hätten die Nationalratsabgeordneten das Internet "akzeptiert", doch verwendet werde es zu eingeschränkt, sagt Filzmaier im Gespräch mit dem STANDARD: "Sie nutzen es, um rasch und effizient an Informationen zu kommen. Andere Verwendungszwecke werden noch weitgehend ignoriert." Politische Werbung nehme einen sehr geringen Stellenwert ein, nicht einmal zehn Prozent gaben an, das Internet für einen Dialog mit den Bürgern zu nutzen. Bis zu 100 E-Mails pro Woche seien der Regelfall, aber nicht einmal zehn Prozent der Mails kämen durchschnittlich von Bürgern, so Filzmaier.

Nur drei Abgeordnete gelten als "Superuser": Das heißt sie verfügen über eine Homepage und sind außerdem mehr als zehn Stunden pro Woche online: Das Gros (mehr als 40 Prozent) steigt weniger als eine oder höchstens zwei Stunden wöchentlich ins Netz ein. Wobei Österreich damit nicht wesentlich schlechter als Staaten wie Dänemark und die Niederlande liegt, die traditionell eine stärkere Internetnutzung haben.

"Es liegt ganz einfach nicht im Interesse der Partei"

Dass außer den drei "Superusern" nur neun weitere Abgeordnete über einen eigenen Webauftritt verfügen, erklärt Filzmaier so: "Es liegt ganz einfach nicht im Interesse der Partei, dass jeder Abgeordnete seine eigenen Ansichten ins Web stellt." Nicht ohne Grund: Denn laut Studie wird dieses Medium stark genutzt, um Meinungen, die von der Parteilinie abweichen, zu äußern. Das sei einer der wenigen Unterschiede zwischen den Parteien. Bei den Grünen ist die Bereitschaft, via Internet abweichende Positionen zu äußern, am größten - bei der FPÖ am geringsten.

Arg ist es um die Schulung der Abgeordneten bestellt: Für die Mehrheit (87 Prozent) hieß es "Learning by Doing". (pm - DER STANDARD Prinatausgabe, 26. Juni 2002)

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